Zeitraub

Von , 19. Februar 2016 16:11

Kino ist ein vielschichtiges Geschäft. Ein Aspekt ist die Tatsache, dass ich als Kinobesucher den FilmemacherInnen einen Teil meiner Lebenszeit schenke. Im Gegenzug werde ich unterhalten oder ich lerne dazu, im Idealfall beides. Dann gehe ich zufrieden nach Hause. Es gibt aber auch den Fall, dass ich im dunklen Kino sitze und keinen Zugang zu dem Geschehen auf der Leinwand bekomme. Leider geschieht das oft in Tateinheit mit Zeitverschwendung. Manche Filmemacher sind sehr großzügig mit der Lebenszeit ihres Publikums. Aber weil man ja schon mal da ist, will man auch nicht gleich wieder gehen. Vielleicht kommt der Coup ja noch. Ta’ang heißt eine Dokumentation über Menschen die aus Myanmar nach China flüchten. Zweieinhalb Stunden stolpert die Kamera mit einer Gruppe von Frauen und Kindern durch die Berge. Aber weder das Ziel noch die Menschen kommen uns ZuschauerInnen näher. Es hat was von den Mitfahrten im Führerstand der S-Bahn, die eine Zeitlang im Nachtprogramm der ARD liefen. Low Information TV hieß das damals in Fachkreisen. Ich nenne es Zeitdiebstahl. Zweieinhalb Stunden, die mich meinem Ziel, den ultimativen Friedensfilm zu finden, nicht näher gebracht haben. Heute Abend übernehmen andere den Job. Die Friedensfilmpreisjury wird einen Preisträger küren. Morgen steht hier mehr dazu!

Eine Antwort für “Zeitraub”

  1. Irene sagt:

    Lieber Martin, danke fürs Aushalten und Berichten. Nach deiner Schilderung hättest du den Zeitdieb mit einem erfrischenden Schläfchen überlisten können. Die Spannung steigt…..
    Gruß aus Waschenbach

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