Warum wir es tun.

Von , 29. Oktober 2009 00:37

theater1Zu Besuch beim Yes-Theatre, fuer uns ein neuer Partner und ein neues Projekt. Wir sehen eine beeindruckende Vorstellung. Etwa 200 Schuelerinnen ueberhaeufen das Ensemble hinterher mit Fragen und Vorschlaegen. Spaeter bei Tee und Zigaretten stelle ich eine einfache Frage: Warum macht Ihr Theater?

“Eine schwere Frage: Zunaechst, weil ich es mag. Die Menschen moegen es. Und…

Wir versuchen Hoffnung zu geben. Ein Mensch ohne Hoffnung ist ein gefaehrlicher Mensch.  Gelingt es hingegen, jemanden mit Hoffnung zu erfuellen, auf Morgen, fuer die eigene Zukunft, wird er keine Gefahr mehr darstellen. Ein Mensch mit Hoffnung wird bereit sein,  mit dir zu reden, dich und deine Ansichten zu tolerieren und Meinungen auszutauschen. Das ist das Fundament. Wenn wir uebereinstimmen, einander zuzuhoeren, haben wir einen Anfang. Wenn wir uns jedoch weigern, das tun, beginnen die Schwierigkeiten.

Die Leute hier leiden, sie sagen, dass sie die ganze Zeit leiden und immer nur leiden. Sie sehen sich als Opfer. Und nun? Soll die Welt ihnen Geld schicken und alles wieder aufbauen? Wenn wir das fordern, werden wir Opfer bleiben, machen wir uns freiwillig zu Opfern. Die Loesung ist, gegen diese Situation zu kaempfen, die Verhaeltnisse zu aendern. Du kannst die Verhaeltnisse aber nicht aendern, wenn es dir nicht gelingt, die Menschen und ihre Denkweise zu aendern.

theater2Ich glaube, dass wir als Kuenstler dazu beitragen koennen. Wir koennen etwas aendern und tun es bereits. Wir haben mittlerweile Tausende Leute, die uns kennen, zu den Vorstellungen kommen, die unsere Botschaft verstehen. Sie versuchen jetzt wie wir, die Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten…

Wir wollen nicht, dass Leute wie Fotokopien sind, Fotokopien ihrer Vaeter, nur, weil die es so wollen. Wir wollen das nicht. Wir haben genug von den Aelteren, den Anfuehrern, die behaupten, sie wuerden alle Probleme kennen und fuer uns loesen. Unsere jungen Leute, koennen Ihre Probleme selbst loesen. Bereits die kleinen Kinder wissen, was richtig und was falsch ist. Jeder hat das Recht als alter oder junger Mann, als Frau oder Maedchen NEIN zu sagen. Zu sagen, DAS will ich und DAS nicht. Jeder hat das Recht. Es wahrzunehmen erfordert Mut. Den versuchen wir den Menschen zu geben. Du musst den Mut haben Nein zu sagen. Ich widersetze mich DEM, ich will DAS. Das ist es, was wir versuchen.

Einfach!”

4 Antworten für “Warum wir es tun.”

  1. Fischi sagt:

    Hi,
    beeindruckende Berichte. Einfach, prignant und scharfsinnig mit den passenden dazu…
    Weiter so… Bin gespannt auf den nächsten Beitrag.
    Wahnsinn dieser unverfälschte, reine Blick auf die dortige Situation.

  2. Cootchy Bambule sagt:

    Tolle und intensive Eindrücke – schön geschrieben, lieber Kollege. Ich freue mich, dass ihr wohl auf seit und beneide euch leicht um eure intensiven Erlebnisse. Auch freut mich zu hören, dass man sich in den besetzten Gebieten nicht als Opfer sehen möchte und sich mit dem Instrument der Kunst gegen die bestehenden Verhältnisse und erstarrten Denkmuster in den Köpfen der Alten in alle Lagern zur Wehr setzt. Ein guter Partner des Weltfriedensdienstes, wie ich meine. Gruß und weiterhin gute Reise.

    Cootchy

  3. U. sagt:

    Nach all den bedrückenden Fakten und Bobachtungen endlich ein Hoffnungszeichen, wovon es – glaube ich – gar nicht so wenige gibt. Das zu unterstützen lohnt den Aufwand mit den ZFD-Projekten des WFD in Palästina. Wenn Du noch mehr solcher Gruppen findest, schreib davon.

  4. Jörg Hempel sagt:

    War das der Theaterleiter, der das geschrieben hat?

    Wenn die palästinensischen Jugendlichen es schaffen, nicht wie Fotokopien ihrer Eltern zu sein und auf ihre innere Stimme zu hören, dann werden Sie nein zu Gewalt sagen und wenn das alle machen, dann wird es im Nahen Osten irgendwann Frieden geben. Das Theater gibt den Jugendlichen den Raum, daran zu denken, was sie wirklich wollen. Und Hoffnung. Ich bin gespannt auf den nächsten Blog!

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