Nachrichten getagged: Simbabwe

Johannes Mufakose aus Simbabwe am Gymnasium in Hückelhoven

Von , 8. Dezember 2015 17:03


Fast Track Landreform in Zimbabwe

Von , 21. November 2013 14:47

Überraschende Forschungsergebnisse weisen auf Erfolg hin

von JOSEPH HANLON, Gastwissenschaftler am Department of International Development der London School of Economics. Co-Autor von «Zimbabwe Takes Back its Land» ( Johannesburg 2013: Jacana), Kontakt: j.hanlon@open.ac.uk. (zuerst veröffentlicht in der Cape Times und im afrika-bulletin Aug/Sep 2013, Übersetzung: Barbara Müller)

Zwölf Jahre nach dem Beginn der gewaltsamen Landbesetzungen in Zimbabwe befassen sich erste wissenschaftliche Untersuchungen mit den Auswirkungen dieser umstrittenen Landreform. Die Befunde sind erstaunlich – zeigen sie doch, dass die neuen BäuerInnen ihre Chance wahrzunehmen wussten und heute trotz widriger Umstände gute Resultate erzielen. Die Schlussfolgerungen von Joseph Hanlon und seinem Team mögen provozierend erscheinen. Jedenfalls sind sie sehr anregend und wenn sie zutreffen, geht ihre Bedeutung über Zimbabwe hinaus.

Die Reaktionen auf die von uns veröffentlichten Forschungsergebnisse zur Landreform in Zimbabwe fielen sehr empört aus, denn sie lassen den Schluss zu, dass kleinbäuerliche Betriebe effizienter für den Markt produzieren als mechanisierte Grossfarmen und deshalb mehr zur Armutsreduktion beitragen. Dies hat in Südafrika und Zimbabwe nicht allen gefallen.
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Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück

Von , 28. Oktober 2013 15:19

Simbabwe hat gewählt

Mit der Wahl vom 31.7. endete die von SADC vermittelte „Regierung der nationalen Einheit“ (GNU) aus ZANU-PF und MDC (MDC-T und MDC-N). Der Versuch der MDC, durch die Beteiligung an einer Regierung unter Präsident Mugabe einen demokratischen Wandel, Rechtsstaatlichkeit, gute Regierungsführung und soziale Reformen einzuleiten, scheiterte am hartnäckigen Widerstand der ZANU-PF, die weiterhin den Staats- und Sicherheitsapparat kontrollierte. Die Situation wurde erschwert durch organisationsinterne Probleme und Konflikte in der MDC, die als Sammelbewegung gegen Mugabe z.T. sehr unterschiedliche politische Positionen und Strategien vereinigt und in der Koalition mit der ZANU-PF einer schwierigen Belastungsprobe ausgesetzt war.

Im Gegensatz zur Wahl 2008, bei der es zu offener Gewalt gegen die Opposition und mindestens 200 Toten kam, verlief die Wahl im Juli weitgehend friedlich und endete mit einer Niederlage der MDC. Mugabe konnte seine Stimmen gegenüber 2008 fast verdoppeln und gewann mit 61%, während Tsvangirai nur 34% der Stimmen erzielte. Die ZANU-PF erreichte außerdem 160 von 210 Parlamentssitzen und 37 von 60 zur Wahl stehenden Senatssitzen. Damit kann die ZANU-PF nicht nur erneut alleine regieren, sondern auch jederzeit die im Mai ratifizierte neue Verfassung revidieren.

Die EU und die USA, deren Wahlbeobachter nicht zugelassen waren, bezweifeln die Legitimität des Wahlergebnisses. Die AU und SADC bewerteten die Wahl hingegen insgesamt als „glaubwürdig“. Tatsächlich weisen einige Indizien auf Popularitätsverluste der MDC und eine effektive Registrierungs- und Mobilisierungskampagne der ZANU-PF hin. Die ZANU-PF nutzte die Entspannung der politischen und ökonomischen Situation unter der GNU, um sich zu reorganisieren und strategisch neu aufzustellen. Dennoch lässt sich die kurzfristig und einseitig von Mugabe angesetzte Wahl angesichts der Dominanz der ZANU-PF im öffentlichen Raum, gezielter staatlicher Repressionen, zahlreicher Unregelmäßigkeiten und der Intransparenz des gesamten Vorgangs keineswegs als fair bezeichnen.

Auch bei dieser Wahl berichteten zivilgesellschaftliche Organisationen wie die ZESN (Zimbabwe Election Support Network) von systematischen Einschüchterungs- und Manipulationsstrategien durch die ZANU-PF und Sicherheitskräfte (vgl. die Berichte der ZESN und ihrer 7000 lokalen Wahlbeobachter zur Wahl 2013 unter www.zesn.org.zw). Die ZEC (Zimbabwe Election Commission) räumte offiziell ein, dass 305.000 Personen in den Wahllokalen zurückgewiesen wurden, weil sie nicht in den Wählerlisten verzeichnet waren, und 207.000 Personen in der Wahlkabine „Unterstützung“ erhielten.

Im Zentrum der Wahlkampagne der ZANU-PF stand die Forderung nach „Indigenisierung“ (51% simbabwische Beteiligung an allen Unternehmen mit Umsatz über 50 Millionen US$), deren Umsetzung erhebliche wirtschaftspolitische Risiken birgt. Nach dem Wahlsieg inszenierte Mugabe seine Vereidigung in Anlehnung an die Unabhängigkeitsfeier von 1980 im Stadion von Harare. Sein neues Kabinett bot indes kaum Überraschungen und besteht überwiegend aus der alten Parteigarde. Zwar scheint sich die als moderat geltende Fraktion um Vizepräsidentin Joyce Mujuru durchgesetzt zu haben, dennoch besteht weiterhin ein hohes innerparteiliches Konfliktpotential um die Nachfolge Mugabes.

Die MDC und ihre zivilgesellschaftlichen Partner stehen nun vor einer schwierigen Reorganisationsphase. Mugabe äußerte nach der Wahl bereits öffentlich, dass Wahlbezirke mit MDC-Mehrheit keine staatlichen Investitionen und Hilfen zu erwarten haben. Der politische Konflikt auf nationaler Ebene dürfte daher weiterhin lokale Ressourcen- und Verteilungskonflikte verstärken.

Eine alltägliche Geschichte

Von , 8. März 2013 11:09

„2008, im Jahr der Wahlen, musste  mein Ehemann nach Mosambik fliehen. Er war politisch aktiv, in der Opposition. Ich wurde geschlagen und missbraucht von einem der Anführer aus unserem  Dorf. Ich war schwanger. Unser Kind kam zur Welt. Zwei Wochen später wurde ich eingesperrt und sollte hingerichtet werden.  Sie fragten ununterbrochen, wo mein Ehemann sei. Ich hatte Angst! Ich wollte weg. Sie haben mich  bedroht und  vergewaltigt.

Mein Mann kam wieder, wir gingen zur Polizei. Politisch motivierte Gewalt? Davon wollte  man nichts wissen! Mein Baby hatte zu viel durchstehen müssen, es starb kurze Zeit später.

Nach einiger Zeit wurde der Täter aber doch verurteilt. Ich bin froh, dass mein Fall vor Gericht kam. Mein Mut hat mich so weit getragen. Ich möchte allen Frauen sagen: Seid mutig, haltet durch!“

So zynisch es klingt: Es hätte noch schlimmer kommen können. Oft werden vergewaltigte Frauen und Kinder von der eigenen Familie und der Gesellschaft stigmatisiert und ausgeschlossen. Und die durch Vergewaltigung entstandenen Kinder erinnern ihre Mütter tagtäglich an die erlittene Gewalt. Die Mütter schwanken zwischen Liebe, Hass und Schuld. Viele Frauen bleiben mit ihren Erfahrungen allein und erzählen niemandem davon, aus Scham und Angst.

Abschlussbericht: Umweltschutz macht satt

Von , 20. Dezember 2010 19:15

Im östlichen Bergland Simbabwes an der Grenze zu Mosambik waren um die Jahrtausendwende Hunger und Unterentwicklung ständige Begleiter der Menschen. Bevölkerungszunahme, Entwaldung und unangepasste Landbewirtschaftung hatten Wasserquellen versiegen lassen und zu Abwertung und Erosion der Böden durch Wind und Regen geführt. Zahlreiche Familien konnten sich nicht mehr von der Landwirtschaft ernähren und litten an Unter- oder Fehlernährung.

Vor 10 Jahren gründeten KleinbäuerInnen aus 150 Dörfern deshalb den Verein TSURO (Towards Sustainable Use of Ressources Organisation). Ihr Ziel war es, diesen Zustand zu überwinden. Von 2006 bis 2010 unterstützte der Weltfriedensdienst TSURO bei seiner Arbeit. Die gemeinsamen Projekte ermöglichten 40.000 Menschen in der Region einen Ausweg aus dem Teufelskreis  übernutzter natürlicher Ressourcen, rückläufiger Erträge, Armut, Hunger und Krankheit zu finden. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierte mit 768.000€ 81,5% der Projektaktivitäten, WFD-SpenderInnen unterstützen das Projekt mit 94.000€. TSURO selbst brachte 80.000€ auf.

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Shopping im Trillionenbereich

Von , 21. Dezember 2008 11:06

Alltag in Simbabwe

Unser Alltag hier im östlichen Hochland Simbabwes ist für Europäer fast jenseits der Vorstellungskraft. Die Preise steigen ständig, manchmal mehrmals täglich. Die Zahl der Nullen auf den Geldscheinen nimmt weiter zu und größere Anschaffungen bewegen sich im Trillionenbereich. Strom kommt nur noch stundenweise. Das Warenangebot variiert zwischen “gibt’s nicht” und “viel zu teuer”. An all das passen sich die Menschen in fast nicht vorstellbarer Weise an. Aber dass sie bei den letzten Wahlen um ihre demokratischen Rechte betrogen wurden, macht viele wirklich wütend. Schon bei den Wahlen, so erzählen mir simbabwische Freunde, haben viele den Wahlzettel genutzt, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Geh nach Hause, alter Mann“ und „wir haben genug von Dir“ waren noch die harmloseren Sprüche. Viele Wahlzettel fielen in die Rubrik „ungültig“, doch diese Rubrik wurde nicht immer beim Ergebnis angegeben.

Soweit ich es selbst nach meiner Rückkehr nach Simbabwe überblicken kann, ist die Stimmung in den Städten ruhig, ruhig und deprimiert. Die Menschen fühlen sich betrogen, wurden es ja auch. Ein wenig Trost und doch noch ein Fünkchen Hoffnung ist es dem ein oder anderen, dass der Betrug diesmal vor den Augen der ganzen Welt stattfand. Geteiltes Leid ist halbes Leid? Nun, das sicher nicht, aber es schürt die Hoffnung, dass die internationale Gemeinschaft, insbesondere natürlich die Nachbarstaaten irgendwann eine Lösung – afrikanisch oder nicht – finden, um der Ungerechtigkeit ein Ende zu bereiten.

Für alle die, die keinen Zugang zu Fremdwährung haben, und das ist natürlich der Großteil der Bevölkerung, ist der Alltag hart. Der Durchschnittsbürger hat seit der Unabhängigkeit einen Großteil seines Realeinkommens eingebüßt mit dem Ergebnis, dass Ernährung und Gesundheitsfürsorge immer unzureichender werden. Wie wird das ertragen? Nun, es gibt wenig Alternativen. Der Kampf um die alltäglichen Notwendigkeiten beansprucht einen Großteil der zur Verfügung stehenden Kraft und manchmal sogar mehr. So setzt der Simbabwer immer wieder einen Schritt hinter der anderen, ringend um Normalität in der Absurdität. Nicht ohne Humor, nicht ohne ein freundliches Wort für den Nachbarn, den Fremden, den Mit-in-der-Einkaufsschlange-Stehenden. Es wird gesprochen, Neuigkeiten ausgetauscht und diskutiert, man ist sich mehrheitlich einig. Die Frage nach dem „Wie kann das so weiter gehen?“ und „Wie lange noch?“ ist eine oft gehörte in den Menschenschlangen vor den Banken. Eine Antwort hat niemand. Also Business as usual? Wieder: Ja! und Nein! Die Menschen in Simbabwe überleben (leider nicht alle, wie wir wissen …), auf unglaubliche und fantasievolle Art. Sie leiden, ertragen fast immer friedlich, entmutigt, aber nicht ohne jegliche Hoffnung, machen weiter, denn die Bereitschaft zu einem neuen Anfang ist da. Wille und Kreativität warten darauf, das Land zu dem zu machen, was es sein kann, trotz all der geschlagenen Wunden.

Simbabwe ist glücklicherweise kein Bürgerkriegsland. Im Blick auf die Kriminalität ist auch jetzt das Leben hier um ein Vielfaches sicherer als im Nachbarland Südafrika. Doch Vorsicht ist geboten, und politisches „Fehlverhalten“ ernsthaft ungesund.

Doch gewaltsame Auseinandersetzungen, Aufstände, gar Krieg will hier niemand, denn die Schrecken des Unabhängigkeitskriegs sind noch immer lebendig. Die Menschen sind bedrückt, zermürbt vom unerfüllten Wunsch nach friedlichem, geregelten Leben und Auskommen. Der Glaube daran, dass dies aus eigener Kraft erreicht werden kann, ist mit den Geschehnissen der letzten Monate noch weiter zerbrochen. Der Blick ist stärker denn je nach Außen gerichtet. Sicher ist nur, dass der exponentielle Verfall von Währung, Versorgung und Dienstleistungen irgendwann Veränderungen herbeiführen muss, denn wir halten Kurs auf „Chaos pur“. Doch wann das ist, und wer bis dahin durchhalten kann, das ist die große Frage: Simbabwe – quo vadis?

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