Nachrichten getagged: Palästina

… the winner is …

Von , 16. Februar 2013 00:40

Es ist vollbracht, die Nadel im Heuhaufen ist gefunden: Der Film “A World Not Ours” bekommt den mit 5.000 € dotierten Friedensfilmpreis der 63.Berlinal 2013. Es ist einer der wenigen Filme, die von Palästinensern über Palästinenser gedreht wurden

Der dänisch-palästinensische Regisseur Mahdi Fleifel stammt aus dem Flüchtlingslager Ain el-Helweh, einem der ältesten im Süd-Libanon. Sein Vater und er dokumentieren mit der Kamera das Leben der Familie und des Lagers mit liebevollem Blick und Humor – über dreißig Jahre hinweg. Deutlich wird die zermürbende Situation der Menschen ohne Hoffnung und Zukunft im Lager, das zu einer Insel der Isolation wird.

Aus Fleifels Erinnerungen entsteht ein dichtes Bild vom Leben im Niemandsland. Der Film befreit sich völlig von den üblichen Schemata der Einordnung der Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern. So wird er zu einem Plädoyer für einen neuen Friedensprozess im Nahen Osten. Immer mehr Menschen leben über längere Zeiträume in den Flüchtlingslagern unserer Erde. Sie hoffen immer noch auf ein Leben in Würde und darauf in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Webseite des Friedensfilmpreises www.friedensfilm.de

 

„Frieden ist die Kompassnadel“

Von , 30. November 2012 23:47

Ursula Reich und Ulrich Luig kennen das Ringen des WFD um den richtigen Weg für den Frieden wie kaum jemand sonst. Die Vorstandsmitglieder berichten über hitzige Debatten zur Gewalt, Neuorientierungen und den Charme der Generationen.

Das Gespräch führten DOERTHE BEER und JOACHIM C.  (veröffentlicht im KOMPASS #1, 2012)

WFD KOMPASS: Ursula Reich, Sie waren nach dem Bürgerkrieg in Ruanda. Ulrich Luig, Sie waren in dem besetzten Gebiet von Palästina. Wann wurden Sie dabei mit Gewalt konfrontiert?
URSULA REICH: Ich war 1989 nach dem Genozid in Ruanda. Da hatten wir permanent mit dem Militär zu tun, weil es viele Gefahren im ganzen Land gab. Es gab viele Racheakte und Gründe sich zu rächen. Es war enorm, in welch kurzer Zeit die neue Regierung für Sicherheit gesorgt hat.

WFD KOMPASS: In dieser Situation war eine legitimierte bewaffnete Gruppe also hilfreich.
URSULA REICH: In solchen Nachkriegssituationen ist Militär und Polizei aus meiner Sicht unabdingbar, damit die Menschen erstmals wieder das Gefühl von Sicherheit haben und den Mut haben, auch wieder etwas auszusäen, weil sie darauf vertrauen können, dass sie nach einem halben Jahr die Ernte wieder einholen können.
ULRICH LUIG: Meine Erfahrungen mit dem Militär reichen in die Anfangszeit meines Einsatzes beim WFD in Palästina zurück, 1968/69. Das war kurz nach dem  Sechstagekrieg. Wir haben im besetzten Gebiet gearbeitet. Das Erste, was mir gesagt wurde, war: Wenn da Straßensperren sind, halte unbedingt an, vor ein paar Wochen haben sie einen französischen Freiwilligen erschossen, der einfach durchgefahren ist. Wenn ich da meinen deutschen Pass gezeigt habe, war das nie ein Problem. Meine Erfahrung als Ausländer war: Ich war relativ geschützt
URSULA REICH: Das ist ja heute noch so.
ULRICH LUIG: Auf dem Ausländerbonus fußen ja ganze Programme. An den Checkpoints können sich Soldaten aber so oder so benehmen, sie haben die Macht. Man muss mit der Unterschiedlichkeit der Menschen rechnen.

WFD KOMPASS: Der Weltfriedensdienst wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als pazifistische Institution gegründet. Heute arbeiten WFD-Kooperanten in Guinea-Bissau, Conakry und demnächst im Senegal mit bewaffneten Gruppen. Hätten Sie sich das träumen lassen? Weiter lesen '„Frieden ist die Kompassnadel“'»

Durchbrecht den Teufelskreis der Gewalt!

Von , 20. November 2012 15:48

Schafft menschenwürdige Lebensbedingungen!                                                           

In einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Guido Westerwelle weist der WFD darauf hin, dass die menschenunwürdigen Lebensverhältnisse und die Perspektivlosigkeit der Menschen in dem abgeriegelten Gaza-Streifen wesentliche Ursachen für die zunehmende Radikalisierung gewaltbereiter Gruppen aus verschiedenen Lagern sind. 

Der Weltfriedensdienst bittet deshalb dringend:

  • Tragen Sie dazu bei, den Kreislauf der nicht enden wollenden Vergeltungsaktionen beider Seiten im Interesse einer dauerhaften Friedenslösung zu durchbrechen
  • Sorgen Sie für menschenwürdige Lebensbedingungen in Gaza und in den besetzten Gebieten statt weiterhin stillschweigend die Abriegelung des Gaza-Streifens und den fortgesetzten Siedlungsbau im Westjordanland zu tolerieren.
  • Bemühen Sie sich um einen gerechten Interessenausgleich zwischen beiden Konfliktparteien statt sich einseitig auf die – durchaus legitimen – Sicherheitsinteressen Israels zu konzentrieren.
  • Lassen Sie Ihren Bekenntnissen zu einer Friedenslösung in Nahost endlich auch entsprechende Taten folgen.

Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis kann nicht militärisch gelöst werden. Jedes neue Blutvergießen schafft neue Hindernisse auf dem Weg zu einer politischen Lösung und damit zum Frieden. Große Teile der Zivilgesellschaft in Deutschland und in Palästina sowie teilweise auch in Israel teilen diese Auffassung.

Den vollständigen Text des offenen Briefes finden Sie hier

Der Vorstand des Weltfriedensdienst e.V.

WFD schreibt an Kanzlerin Merkel

Von , 11. Januar 2010 17:27

Das gewaltsame Vorgehen der israelischen Armee gegen die Teilnehmer und Organisatoren der gewaltfreien Freitagsdemonstrationen in Bil’in/Palästinensische Gebiete hatte im April 2009 einen Toten, zahlreiche Verletzte und seit Juni 2009 – während nächtlicher Razzien – 31 Festnahmen von Bewohnern von Bil’in zur Folge. Am 12. Dezember 2009 wurde der Vertreter des Bürgerkomitees, Abdallah Abu Ramah, bei einer nächtlichen Durchsuchung seines Hauses in Ramallah zum wiederholten Mal festgenommen. Der Verlauf der Grenzanlage im Bereich von Bil’in wurde in mehreren Entscheidungen des Obersten Gerichtshof Israels für unrechtmäßig erklärt, ohne dass dies bisher praktische Konsequenzen gehabt hätte.

Der Vorstand des WFD hat die Bundeskanzlerin in einem Brief gebeten, bei Ihren israelischen Gesprächspartnern darauf zu dringen, das willkürliche und gewaltsame Vorgehen der israelischen Armee in dem palästinensischen Dorf Bil’in einzustellen, festgenommene gewaltfreie palästinensische Demonstranten dieses Dorfes zu entlassen und die Entscheidung des Obersten Gerichtshof Israels zu respektieren, das die Enteignung von 60% des Landes von Bil’in für unrechtmäßig erklärte.

Frau Merkel habe in den letzten Monaten mehrfach betont, dass das Existenzrecht Israels zur deutschen Staatsräson gehöre und Deutschland gegenüber Israel eine besondere Verantwortung habe. Nach Auffassung des Vorstand des WFD müsse diese deutsche Solidarität und Verantwortung dem Staat Israel gegenüber glaubwürdig verbunden sein mit dem Eintreten für die Rechte der palästinensischen Bevölkerung in den von Israel besetzten Gebieten, wozu auch das Dorf Bil’in gehöre.

Hintergrund:
Seit 2005 organisiert das Bürgerkomitee von Bil’in jeden Freitag gewaltfreie Protestdemonstrationen gegen die israelische Grenzziehung auf ihrem Land und die damit verbundene Enteignung von ca. 60% der Gemarkung von Bil’in. Das Komitee wird dabei von zahlreichen israelischen und internationalen Friedensaktivisten unterstützt. Die Aktivitäten der israelischen Sicherheitskräfte in den letzten Monaten verfolgen nach Aussagen eines israelischen Militärvertreters das Ziel, diese Protestaktionen zu beenden. Es legt sich daher der Verdacht nahe, dass dies auch in der internationalen Aufmerksamkeit begründet ist, die die Proteste in Bil’in mittlerweile gefunden haben. Eine Liste der Ereignisse ist auf der Homepage des Bürgerkomitees von Bil’in zusammen gestellt (http://www.bilin-village.org/english/discover-bilin/).

Der WFD ist seit 1968 über eine von ihm initiierte Frauenkooperative mit dem Dorf Bil’in verbunden und verfolgt die Entwicklungen in Israel und Palästina seit nunmehr über 40 Jahren. Das Projekt des WFD in den besetzten palästinensischen Gebieten war in der Anfangszeit geplant als Einsatz eines deutschen Friedensdienstes auf palästinensischer Seite parallel zur Arbeit der Schwesterorganisation Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Israel. Dieser Ansatz, der die Interessen beider Völker in Israel/Palästina und den Anteil der deutschen Geschichte (Antisemitismus, Holocaust) an diesem Konflikt berücksichtigt, gehört nach wie vor zum Selbstverständnis des WFD. Darüber hinaus ist der WFD weltweit in Projekten (u.a. des Zivilen Friedensdienstes) engagiert, die einen gerechten Interessenausgleich und Versöhnung von Konfliktparteien zum Ziel haben. Diesen Zielen fühlt sich der WFD auch in Bezug auf den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis verpflichtet.

Rückfragen an:
Martin Zint, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Weltfriedensdienst e.V. 030 25399018, zint@wfd.de

Die Mauer in Palästina

Von , 9. November 2009 16:12

express yourself

Von , 30. Oktober 2009 01:49

Nach einer weiteren viel zu kurzen Nacht, klebrigen Marmeladenstullen und Tee im Hotel und der rettenden Tasse Milchkaffee bei Uli und R. fuehrt uns der Weg nach Bethlehem. Weil der Haupteingang heute fuer juedische Glaeubige reserviert ist, die zu tausenden zu Rahels Grab pilgern, geht es fuer uns einmal um die Stadt herum. Wir bestehen den Schlomo oder Ahmed-Test der Soldaten mal wieder auf den ersten Blick und werden durchgewunken.

gtcIn Bethlehem sind wir, um GTC persoenlich kennen zu lernen. Der Weltfriedensdienst will die Arbeit des  Guidance and Training Center ab dem naechsten Jahr personell und finanziell unterstuetzen. Der gemeinsame Projektantrag liegt zur Bewilligung beim BMZ. Der Direktor des Projekts Victor, stellt uns bei Keksen und Tee die umfangreichen Aktivitaeten des Centers vor. Es geht um die Behandlung psychischer Schaeden, die unter derart schrecklichen Bedingungen, einer politisch, sozial und oekonomisch schwierigen Situation wie in Palestina, besonders haeufig sind.
Das Thema wird weitgehend tabuisiert, Menschen mit Schwierigkeiten schnell stigmatisiert, erklaert Victor. Daher kombinieren sie ihre Arbeit mit einer Aufklaerungskampagne, bieten den Menschen sowohl Unterstuetzung bei Schizophrenie und Depressionen als auch in der Bewaeltigung von Familienproblemen und sexueller Aufklaerung. Weit spannt sich der Bogen aus Aktivitaeten bis hin zu den ambitionierten Vorhaben eine  arabisch-sprachige Fachbibliothek aufzubauen und moeglichst viele Akteure und Institutionen, wie Schulen, Universitaeten, das Gesundheits- und Bildungsministerium und palestinensische wie internationale Nichtregierungsorganisationen miteinander zu vernetzen.

Die Leute von GTC betrachten die Arbeit als Einsatz fuer ihre Leute und ihre Gemeinschaft. “Das ist mein Platz”, sagt Viktor, “hier kann ich am Ende des Tages sagen, etwas wichtiges getan zu haben fuer die Gemeinschaft. Diese Arbeit stellt mich zufrieden.” Besonders lohnend sei die Arbeit mit Kindern. Wenn sie sich im Verlauf der Therapie oeffnen, beginnen, Gefuehle zu zeigen, Froehlichkeit oder einfach nur laecheln, wird ihm immer wieder klar, dies ist der richtige Platz. Wir fuehlen uns auch am richtigen Platz, jetzt ist das BMZ dran.

al-madaWeiter geht es nach Ramallah. Wir treffen Reema, Riham und Odeh von unserer Partnerorganisation Al-Mada. Zusammen bauen WFD und Al-Mada ein Musiktherapie-Zentrum auf. Tomeh ist Direktor, technischer Berater fuer die Musiktherapie, Komponist und Musiker. Er nimmt sich Zeit fuer das Interview, erklaert mir die technischen Aspekte des Programms und die Idee der Musiktherapie:
Wenn Menschen nicht die Moeglichkeit bekommen, ihre Gefuehle auszudruecken, gezwungen werden, oder sich gezwungen fuehlen, sie in sich einzusperren, nehmen sie Schaden. Das betrifft den Geist, den Koerper, ihre Lebensqualitaet. In der palestinaensischen Gesellschaft, so Odeh, seien die Moeglichkeiten seinen Gefuehlen Ausdruck zu verleihen sehr gering, die aeusseren Gegebenheiten besonders frustrierend und deprimierend. Insbesondere gaelte das fuer Kinder und Jugendliche. Hier greift die Arbeit des Musiktheraphie-Zentrums, an Schulen und mit verschiedenen Ziel- und Altersgruppen in Ramallah. Musik hat die Faehigkeit, in Menschen etwas zu bewegen, Stress zu loesen, Gefuehle auszudruecken und dabei vor allem Freude. In der Therapie lernen die Menschen so Abstand zu nehmen von ihrem Alltag, ihre Gefuehle, sich als Ganzes und ihr Leben wertzuschaetzen.

Nachdem ich das Aufnahmegeraet ausgeschaltet habe, philosphieren wir noch eine gute Stunde, ueber die Wahrnehmung des eigenen Ichs, die Hindernisse, die wir uns in den Weg legen und legen lassen, wir selbst zu sein. Der Moment sei am Wichtigsten, sagt Odeh, die Gegenwart und nicht die Hyphothek irgendeiner Vergangenheit, die wir nicht beeinflussen koennen, oder der Zukunft, die nicht gewiss ist. Wenn wir in der Gegenwart nicht wir selbst sind, werden wir auch in der Zukunft nicht zufrieden sein koennen. Was wir jetzt machen ist wichtig. Mir geht Ghandi durch den Kopf:

“Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg!”

Shalom!  Aleikum Salaam!

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