Nachrichten getagged: Friedensfilmpreis

gefühlte Wahrheit

Von , 11. Februar 2015 02:37

„Flotel Europa“ ist ein toller Film. Bosnische Flüchtlinge, die in Kopenhagen wortwörtlich gestrandet sind, haben ihr Leben als Asylsuchende aufgezeichnet. Eigentlich sollen mit der vom knappen Geld besorgten VHS-Videokamera Botschaften an die Daheimgebliebenen aufgenommen werden. Das passiert zwar auch. Aber im Rest der Zeit wird die Kamera auf alles gehalten, was sich (an Bord) bewegt. So entstehen viele Stunden an Video Material vom Leben an Bord des Schiffes, das die Dänen den bosnischen Kriegsflüchtlingen als Behausung zur Verfügung gestellt haben. Ein Anfang der 90er noch sehr junger Bewohner erkennt den Wert dieser Bänder, sichtet sie und erzählt, mit Hilfe eines genialen Cutters, die Geschichte vom Heranwachsen auf einer nicht enden wollenden „Urlaubsreise“. Ob die Geschichte denn wahr sei, bei so viel Tanz, Frohsinn, Liebe und Selbstbewusstsein – fragte ein Zuschauer nach dem Film. Die Antwort: natürlich nicht, wir mussten sie neu erzählen. Aber der fertige Film wurde den Gefilmten gezeigt und sie waren glücklich. Also sei der Film „emotional wahr“. Eine interessante Kategorie jenseits der vergeblichen Suche nach Objektivität und Wahrheit. Ich liebe Q und vor allem A!

Sie werden nachplatziert …

Von , 8. Februar 2015 23:52

Die Berlinale will in diesem Jahr wohl einen Auslastungsrekord aufstellen. Zumindest die Premieren sind alle ausverkauft. Da ist es ein netter Zug des Kinopersonals, vor Beginn des Films alle diejenigen zu bitten den Arm zu heben, die einen freien Platz neben sich haben. Dann wird gezählt und die entsprechende Zahl an Cineasten darf noch rein. Leider dauert diese Übung bis zu 15 Minuten. Zeit, die dann auf dem Weg zur nächsten Vorstellung fehlt. Da kann man nur hoffen, dass auch dort gründlich “nachplaziert” wird. Denn wenn die Türen einmal zu sind, kommt niemand mehr in den Saal, man sagt, nicht mal die Feuerwehr. Die pünktlichen FilmfreundInnen sollen den Film ungestört genießen.

Wie wird es diesmal?

Von , 4. Februar 2015 02:37

Wie wird es diesmal? Die Frage stelle ich mir, etwas bang, vor meiner dritten „Amtszeit“ als Friedensfilmpreisjuror. Kurzfristig habe ich ausnahmsweise keinen Berlinale Besuch im Haus. Der gemeinsame Tagesausklang und die Inspiration beim Frühstück werden mir fehlen – dafür komme ich früher ins Bett, vielleicht. Berlinale Nächte tendieren zur Uferlosigkeit, zumindest die erste und die letzte. Mehr noch kreisen meine Gedanken aber um die bange Frage: was werden mir die FilmemacherInnen zumuten? Die Welt kann ebenso schön wie unendlich grauenhaft sein. Ein Festival wie die Berlinale darf davor nicht die Augen schließen. Aber manche Filme haben mir schon mehr Schlaf geraubt als die Partys. Im vergangenen Jahr war das „The Act of Killing“. Ein notwendiger aber grenzwertiger Film über die Abgründe menschlicher Grausamkeit. Unberührt sollte mich kein Film lassen, er sollte mir aber auch die Chance geben, Distanz zu bewahren. Das klingt ein bisschen wie „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Aber so ist Kino. Irgendwann geht das Licht wieder an. Und ich in den nächsten Film.

Ganz schön übel!

Von , 14. Februar 2014 11:30

Die Welt ist ganz schön schlecht! Diesen Eindruck hat mir diese 64. Berlinale wieder umfassend vermittelt. Die Welt brodelt in Umbrüchen. Das Ausmaß an Vergewaltigungen, Morden und Brennen ist schier unerträglich. Noch unerträglicher allerdings wäre es, wenn sich diese grausame Realität nicht im Schaffen der Filmemacher wiederfinden würde. Aber ein bisschen mehr Vision wäre auch ganz schön. Über dem Eingang zum Jugendstilmuseum in meiner Heimatstadt Darmstadt steht ein Satz der mich immer wieder beschäftigt hat: „Seine Welt zeige der Künstler – die niemals war noch jemals sein wird“. Als junger Wilder habe ich ihn als Mahnung des Feudalherrens und Mäzens, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, verstanden, sich nicht in das politische Tagesgeschäft einzumischen. Heute, altersmilde, verstehe ich den Satz so wie er in der Aufbruchszeit des Jugendstils wohl auch gemeint war: Wir brauchen Visionen. Mir haben auf der 64.Berlinale die Bilder einer Welt gefehlt, in der ich gerne leben würde. Die vielleicht niemals sein wird. Aber die uns gerade der Film schon mal zeigen könnte. Ganz schön schwierig! Vielleicht finde ich heute noch die Nadel im Filmhaufen. Am Abend küren wir dann den Preisträger 2014! Who the winner is? We will see, oder: Schau’n ‘mer Mal. Hier wird es morgen früh stehen.

Drehen in Somalia

Von , 12. Februar 2014 11:01

Filme die auf der Berlinale laufen werden in aller Regel von ihren Regisseuren, Produzenten und den Schauspielern begleitet. Nach den Vorführungen gibt es dann meist ein Gespräch, nach dem Motto „ In einer Szene sieht man kurz ein mit Wurst belegtes Weißbrot, was sollte diese Provokation der Vegetarier?” Diese Gespräche machen viel vom Reiz der Berlinale aus. Und manchmal kommt es zu Überraschungen. Nach „Last Hijack“, einer Dokumentation über somalische Piraten, wurde der Regisseur gefragt: „War das nicht sehr gefährlich, in Somalia zu drehen?“ „Ich war gar nicht dort“, erfuhr das staunende Publikum. Recherchen, Castings, Interviews und sonstige Drehs vor Ort wurden von lokalen Mitarbeitern erledigt. Die schickten das Material täglich mit dem Flugzeug nach Nairobi. Von dort wurde es in die europäischen Büros der Filmemacher überspielt, kommentiert und auf dieser Basis dann in Somalia weitergedreht. Globalisierung auch beim Filmemachen – und vielleicht Anlass für ein neues Label: „100% selbstgedreht“.

Die im Blogbeitrag von gestern genannten Kriterien für einen Friedensfilm wurden auch in der Friedensfilmpreisjury diskutiert. Ein wichtiges Element kam dabei noch dazu. Die Frage, wird „Wissen erweitert?“ oder „bildet der Film?“

… the winner is …

Von , 16. Februar 2013 00:40

Es ist vollbracht, die Nadel im Heuhaufen ist gefunden: Der Film “A World Not Ours” bekommt den mit 5.000 € dotierten Friedensfilmpreis der 63.Berlinal 2013. Es ist einer der wenigen Filme, die von Palästinensern über Palästinenser gedreht wurden

Der dänisch-palästinensische Regisseur Mahdi Fleifel stammt aus dem Flüchtlingslager Ain el-Helweh, einem der ältesten im Süd-Libanon. Sein Vater und er dokumentieren mit der Kamera das Leben der Familie und des Lagers mit liebevollem Blick und Humor – über dreißig Jahre hinweg. Deutlich wird die zermürbende Situation der Menschen ohne Hoffnung und Zukunft im Lager, das zu einer Insel der Isolation wird.

Aus Fleifels Erinnerungen entsteht ein dichtes Bild vom Leben im Niemandsland. Der Film befreit sich völlig von den üblichen Schemata der Einordnung der Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern. So wird er zu einem Plädoyer für einen neuen Friedensprozess im Nahen Osten. Immer mehr Menschen leben über längere Zeiträume in den Flüchtlingslagern unserer Erde. Sie hoffen immer noch auf ein Leben in Würde und darauf in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Webseite des Friedensfilmpreises www.friedensfilm.de

 

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