Offener Brief an die Minister Niebel, Rösler und Altmaier

Von , 24. April 2013 09:17

Offener Brief an

-den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel,
-den Minister für Wirtschaft und Technologie Dr. Philipp Rösler,
-und den Bundesumweltminister Peter Altmaier

Sehr geehrte Herren Minister,

wir sind ein Initiativkreis aus Schülern und Schülerinnen, Lehrkräften und Eltern am Amos-Comenius-Gymnasium,  Bonn-Bad Godesberg¹.  Im Rahmen des BMZ- geförderten Projekts „Ernährungssicherung durch nachhaltige Landwirtschaft“ des Weltfriedensdienstes unterstützen wir die lokale NGO ENDA-PRONAT, die  ökologischen Landbau im Senegal  fördert und sich für die Stärkung von Bauernorganisationen einsetzt. Durch eine Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaft konnten bereits viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern  in den Projektregionen ihre Erträge deutlich steigern. Wir begleiten und unterstützen  insbesondere einige Schulen im Norden des Landes, denn man hat dort erkannt, dass Umweltschutz und ökologische Anbaumethoden die Lebensgrundlagen der jungen Generation sichern helfen und einer Abwanderung in die Städte und nach Europa entgegenwirken.

Umso besorgter sind wir über Meldungen über  Landnahmen durch europäische Agrarkonzerne, die die diese Erfolge gefährden.  Seit zwei Jahren sorgen die Pläne des senegalesisch-italienischen  Unternehmens SEN-ETHANOL im Senegal für große Proteste, die auch schon Todesopfer forderten:  in großem Maßstab sollen Sonnenblumen und andere Pflanzen für die Bio-Ethanol-Produktion in Europa angebaut werden.
Im Nordwesten Senegals  ist es SEN-ETHANOL  jetzt  gelungen, sein Vorhaben zu realisieren:  Das Unternehmen erhielt  von der Regierung  16 000 ha Weideland in der Gemeinde Ngnith,  weitere    10 000 ha sind in Aussicht gestellt. Die Bevölkerung besitzt keine Rechtstitel auf das Land, das sie seit Generationen kultiviert, sie wurde weder in das Vorhaben einbezogen noch für ihr Land entschädigt. Menschen aus 37 Dörfern – es handelt sich ausnahmslos um Viehzüchter , für die ihr Land von existenzieller Bedeutung ist – wird die Lebensgrundlage entzogen. In ihrer Verzweiflung plant die
Landbevölkerung in den nächsten Tagen Massenproteste mit Tausenden von Rindern an wichtigen Verkehrsknotenpunkten des Landes, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

„Finger weg von meinem Land – es ist mein Leben“  -Mit diesem Slogan kämpft ENDA-PRONAT  für die Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und gegen ihre Vertreibung durch Agrarkonzerne.  Unsere senegalesischen Partner  bitten uns eindringlich, hier in Deutschland auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen und ihren Kampf solidarisch zu unterstützen. Wir  fordern Sie daher nachdrücklich auf:

  • Beenden Sie die Subventionierung von Biokraftstoffen. Sie konterkariert das entwicklungspolitische Ziel  der Armutsbekämpfung,  bedroht die Menschenrechte und zerstört die Existenz afrikanischer Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.
  • Setzen Sie sich für die Förderung agrarökologischer Landwirtschaft in Afrika und die Stärkung der Rechte afrikanischer Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ein.  

Mit freundlichen Grüßen

Nord-Süd-Kreis am Amos-Comenius-Gymnasium

¹http://acg-bonn.de/index.php/ausserunterrichtliches/nord-sued-kreis

 

3 Antworten für “Offener Brief an die Minister Niebel, Rösler und Altmaier”

  1. Hans Jörg sagt:

    Toll. Gut geschriebener Brief. Zu den Forderungen wird Niebel natürlich sagen, dass er für die erste leider nicht zuständig ist und das zweite bereits umsetzt. Vielleicht sollte das noch an Außenministerien und geeignete EU-Organe gehen…

    • Helge sagt:

      Immerhin könnte Herr Niebel in den Kabinettsrunden auf eine Politikgestaltung hinwirken, die Zusammenhänge und “Nebenwirkungen” berücksichtigt. Dann hat das eine Ministerium nicht die Sünden der anderen auszubaden.

  2. Maren sagt:

    Wow, super! Ich bin beeindruckt!

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