Mein Land gehört mir!

Von , 23. Juli 2013 14:31

„Ich heiße Djibril Béye. die Leute von der MDL haben mir einen Besuch auf meinem Feld abgestattet und gesagt, sie bräuchten das Land, um dort ein Bohrloch zu graben. Als Entschädigung sollte ich einen Scheck abholen. Dagegen habe ich mich vehement gewehrt. Wenn die MDL mein Feld haben will, muss sie mir jedes Jahr genau die Summe zahlen, die es mir eingebracht hätte. Ich verdiene daran jährlich 6.000.000 CFA. (gut 9.000 Euro) Wenn sie mir also jedes Jahr diese Summe gibt, kann sie es haben. Sonst nicht.“

Djibril Béye kommt aus dem Distrikt Diogo in der Region der Nyayes, dem Gemüsegarten Senegals. Hier leben in 25 Dörfern mehrere Tausend Menschen. Vor einigen Jahren begann MDL, ein australisches Bergbauunternehmen, auf den Ländereien der KleinbäuerInnen mit dem Zirkonabbau. Das Mineral ist in den Industrieländern wegen seiner Härte begehrt und wird u.a. zur Ummantelung von radioaktiven Abfällen und als Zahnersatz eingesetzt.

Sein bitteres Fazit: „Die MDL ist nach Diogo gekommen, um die Leute auszusaugen. Nichts von dem, was man uns versprochen hat, wurde umgesetzt – sie haben uns weder Entschädigungen gezahlt noch Arbeit gegeben. Wir dachten, dass sich unsere Lebensbedingungen verbessern würden. Aber leider sind unsere Probleme jetzt noch größer, unsere Lebensgrundlage wurde zerstört.“ Aber die Dorfgemeinden finden sich nicht mit ihrem Schicksal ab. „Wir werden jetzt kämpfen. Wir zählen sehr auf eure Unterstützung“, bringt Ibrahima Fall die Erwartung an ProNat und den Weltfriedensdienst zum Ausdruck.

Fanaye: erfolgreicher Widerstand gegen Land- und Wasserraub

Auch KleinbäuerInnen in Fanaye im Tal des Senegalflusses erlebten den Versuch eines multinationalen Konzerns, sie von ihrem Land zu vertreiben. Im industriellen Maßstab sollten Sonnenblumen und andere Pflanzen für die Biotreibstoff-Produktion in Europa angebaut werden. ProNat organisierte daraufhin ein breites Bündnis von Organisationen, lokalen Verwaltungen und KleinbäuerInnen. Mit Demonstrationen, in Radiosendungen und durch Streiks bekundeten Tausende ihren Protest. Und es half! Die Regierung stoppte den Verkauf von 26.000 ha Land an den italienisch-senegalesischen Konzern Sénéthanol. Das war Ende 2011, vor den Präsidentschaftswahlen.

Ngith – alles beginnt von vorn

Einige Monate nach der Wahl nahm die Regierung das Projekt Sénéthanol wieder auf. Diesmal versuchte das Unternehmen es an einer anderen Stelle, in der nahegelegenen Landgemeinde von Ngith. Der neu gewählte Präsident Macky Sall verkaufte eine Waldfläche von 10.000 ha Größe zum Preis von 131 Mrd. CFA, das sind knapp 20.000 Euro. 37 Dörfer sind betroffen. Das angeblich ungenutzte Land ist eines der letzten Weidegebiete der Region. Die Viehzüchter besitzen keine Rechtstitel auf das Land, das sie seit Generationen bewirtschaften. Verlieren sie ihre Weidegründe, sind sie gezwungen, ihre Herden in Ackerbaugebiete zu treiben. Konflikte mit den Menschen dort wären vorprogrammiert.

Das Vorgehen der Unternehmensvertreter folgt dem bekannten Muster: Versprechungen, Bestechung und Gewalt als letztes Mittel.

Die Viehzüchterinnen und KleinbäuerInnen sind jedoch entschlossen, sich zu wehren. Sie planen die medienwirksame Besetzung einer großen Kreuzung mit Tausenden Rindern, um den Protest in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Die Bauernverbände organisieren sich. Und dem Präsidenten Senegals wurde das Zugeständnis abgerungen, eine Delegation der betroffenen Bevölkerung anzuhören. Bis zu dem Gespräch, das dieser Tage stattfinden soll, wurden die Erdarbeiten unterbrochen.

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