Die Geschichte des Wassers in der Entwicklungspolitik

Von , 21. November 2013 11:56

Wasser spielt schon seit geraumer Zeit eine prominente Rolle in der globalen Entwicklungspolitik. Bereits 1992 wurden auf dem ersten Weltwasserforum in Dublin die vier sogenannten „Dublinprinzipien“ entwickelt – die Grundprinzipien der internationalen Wassergemeinschaft. Dabei wird zunächst die Rolle des Süßwassers als begrenzt vorhandene und daher schutzbedürftige Ressource betont, sowie seine Wichtigkeit für menschliches Leben, Entwicklung und die Umwelt. Um der Bedeutung von Wasser für jeden einzelnen auch im Politikprozess gerecht zu werden, müssen Projekte zur Wassererschließung und –management auf einem partizipativen Ansatz basieren, der alle von Veränderungen Betroffenen integriert. Eine besondere Rolle kommt dabei den Frauen zu, die traditionell damit betraut sind, die Wasserversorgung sicher zu stellen und die während ihrer alltäglichen Aufgaben oft gleichzeitig als Hauptnutzer von Wasserressourcen (kochen, waschen etc.) auftreten. Schließlich schreiben die Prinzipien der Ressource Wasser einen ökonomischen Wert zu; Wasser wird zu einem wirtschaftlichen Gut, das auf Grund seiner Knappheit der Konkurrenz verschiedener potentieller Nutzer ausgesetzt ist.

Diese Prinzipien sollen die Basis für alle politischen Aktivitäten im Bereich Wasser bilden. Dass dieser Bereich äußert facettenreich ist, wird u.a. durch die über 20 UN-Institutionen abgebildet, die sich mit dem Thema in der einen oder anderen Weise beschäftigen. Denn Wasser ist nicht gleich Wasser.

So behandelt das Umweltprogramm der UNO (UNEP) die Ressource Wasser als Teil des Ökosystems (Ozeane, Seen, etc.). UN-HABITAT, das Programm für menschliche Siedlungen, hingegen beschäftigt sich mit Wasser in urbanen Gebieten und dessen Management. UNICEF widmet sich der Wasserversorgung an Schulen sowie dem Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Wasser wird somit innerhalb der UN-Organisationen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und bildet ein Querschnittsthema innerhalb der Vereinten Nationen. Ein eigenes, zentrales Organ, das sich mit allen Facetten der Wasserproblematik beschäftigt, ist bisher nicht geplant. Jedoch werden die Anstrengungen der unterschiedlichen Institutionen im sogenannten „UN Water“-Mechanismus koordiniert.

Grundsätzlich ist bei jedweder Beschäftigung mit dem Thema zu beachten, dass Wasser zwei Seiten hat. Die „saubere Seite“ des Wasser (Trinkwasser, Grundwasser etc.) stand lange Zeit im Mittelpunkt politischer Aktivitäten; auch im Rahmen der MDGs sprach man anfangs unter Punkt 7 „ökologische Nachhaltigkeit sicherstellen“ lediglich davon, den Anteil derjenigen zu halbieren, die keinen Zugang zu verbesserten Trinkwasserquellen[1] haben. Erst durch die Konferenz von Johannesburg wurde auch die „schmutzige Seite“ (Abwasser, Sanitäranlagen) des Wassers in die MDGs mitaufgenommen. Nun soll auch der Zugang zu verbesserter sanitärer Grundversorgung gewährleistet werden.

Das Bewusstsein für die Thematik Wasser und Sanitärversorgung wächst zunehmend in den letzten Jahren. Dabei spielen nicht nur Problematiken wie Wasserraub, ungenügende Trinkwasserversorgung oder Wasserverschmutzung eine Rolle, sondern auch die Kommodifizierung von Wasserressourcen im Zuge umfangreicher Privatisierungsunternehmungen in zahlreichen europäischen Städten. Mit der Einführung des Menschenrechts auf sauberes Wasser und Sanitärversorgung im Jahr 2010 durch die UN bekam die Thematik ihren letzten großen Schub. Und auch in den Post-MDG-Prozessen wird darum gekämpft, Wasser in all seinen Facetten in Form eines eigenständigen Sustainable Development Goals (SDG) zu integrieren. Denn trotz aller Bemühungen sind es immer noch mehr als 800 Millionen Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben; eine Milliarde Menschen sind gezwungen, ihre Notdurft im Freien zu verrichten und immer noch werden 80% aller Krankheiten in Entwicklungsländern durch verschmutztes Wasser verursacht.

 

 


[1] Das einzige Kriterium, das verbesserte Trinkwasserquellen auszeichnet, ist, dass keine Kontamination durch Fäkalien vorliegt.

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