Ein Friedensfilm? Oder ein Friedensfilm?

Von , 15. Februar 2016 19:30

Anfangs bin ich davon ausgegangen, dass es um die Suche nach einem Friedensfilm auf der Berlinale geht. Weit gefehlt. Es geht um die Suche nach dem Friedensfilm. Die Berlinale ist politischer geworden und die Filmindustrie tagesaktueller. Die Sektionskataloge von Forum und Panorama (zwei Programmgruppen) lesen sich fast wie die Tageszeitung. Und es wimmelt geradezu vor potentiellen Friedensfilmen. Die Flüchtlingskrise wird in mehreren Produktionen aufgegriffen. Der hier schon thematisierte Film „Havarie“ zeigt die Gleichzeitigkeit von Luxus und Elend – und die unendliche Entfernung, die zwischen diesen Lebenswelten liegt. Mit dem Handyvideo eines Kreuzfahrttouristen, der ein Flüchtlingsboot filmt. „Meteorstraße“ befasst sich mit der Phase nach gelungener Flucht, dem Einfinden in eine neue Welt. Auch klassische Antikriegsfilme dürfen nicht fehlen. „Dieser Krieg hier macht uns alle zu Insekten, die ums Überleben kämpfen.“ Das schreibt ein Militärarzt aus Angola an seine geliebte Frau in Portugal in “Letters from War”. Kurz, die Entscheidung über den ultimativen Friedensfilm wird schwierig. Agent 181251 bleibt dran, wenn die Berlinale in die Zielgerade geht.

Eine Antwort für “Ein Friedensfilm? Oder ein Friedensfilm?”

  1. Claudia sagt:

    Hallo Martin!
    Damit Dir nicht langweilig wird, mache ich gleich noch zwei Vorschläge für die Suche nach dem Friedensfilm, die vermutlich den Vorteil haben, dass man dafür nicht in der Schlange stehen oder Pappschilder hochhalten muss …
    Houses without Doors berichtet aus einer ungewöhnlichen Perspektive über den Krieg in Syrien und nutzt dabei eine Ästhetik, für die Til Schweiger vermutlich ebenso viel Verachtung hätte, wie für “moppelige Kommissare, die an der Würstchenbude stehen”. Avo Kaprealian hat drei Jahre mit seiner Familie in einer Wohnung in Aleppo verbracht und die langsame Eskalation des Krieges in Einstellungen vom Balkon und aus den Fenstern einfangen. In seeeeehr langen Einstellungen, in denen vordergründig wenig oder nichts passiert, aber das Warten und die Hilflosigkeit der Zivilbevölkerung sehr deutlich, geradezu fühlbar macht. Zusätzlich hat er, einige wenige, Ausschnitte aus Spielfilmen genutzt, die ziemlich drastisch sind. “Ich wollte nicht noch mehr Bilder von Blut und Tod produzieren”, sagte er dazu bei der gestrigen Präsentation. Houses without Doors ist eine interesssante Antwort auf die Frage, wie man heute überhaupt noch vom Krieg erzählen kann, in einer Zeit, in der die blutigsten Videos immer nur einen Mausklick entfernt sind. Ich bin sicher, ich werde die Bilder lange nicht vergessen.

    Der zweite Film, NAKOM, wurde in Ghana gedreht, genauer gesagt in dem kleinen Dorf Nakom an der Grenze zu Togo. Friedensfilm könnte er deshalb sein, weil eine der beiden Regisseurinnen über den Peacecorps drei Jahre in Nakom gelebt hat, ohne Elektrizität oder fließendes Wasser. Gestern war die Weltpremiere und das Publikum war begeistert. Mich hat vor allem das multikulturelle Team beeindruckt, das unter anderem sehr schön über die Drehbedingungen (Batterien, Generator) erzählt hat und gute Laune und Teamgeist versprühte. Jemand aus dem Publikum, der sich selbst als “ein Afrikaner” vorstellte, fasste die Themen des Filmes sehr akurat zusammen: Bildung, Gesundheitsversorung und ein guter Umgang mit unserem kulturellen Erbe. Alles Voraussetzungen für eine friedliche Entwicklung, oder?
    Schöne Grüße und take care!

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