Ebola, Landraub und Formen des Tons, solange er feucht ist

Von , 29. Januar 2015 10:40

von RAINER VAN HEUKELUM (veröffentlicht in amosaktuell)

Zum Besuch von Jörg John und Oumar Sow aus dem Senegal

Als im Frühjahr der WFD uns anbot, Gäste aus dem Senegal für eine Woche in Bonn zu empfangen, mussten wir nicht lange überlegen und nahmen dankbar an. Was für eine Gelegenheit, sich und unsere Schüler/innen und Schüler aus erster Hand über die Fortschritte in unserem unterstützten Projekt zu informieren und über die Entwicklungen im Senegal im allgemeinen! 5 Jahre nach seinem ersten Besuch in Bonn konnte ich dann wieder den Schulleiter der Grundschule in Guédé und Leiter des ökologischen Schulnetzwerks, Herrn Oumar Sow, diesmal in Begleitung des Agraringenieurs und Mitarbeiters von WFD und EndaPronat, Herrn Jörg John, am Bahnhof in Bonn begrüßen. Beide arbeiten im seit Jahren vom ACG unterstützten Projekt „Umwelt schützen – Ernährung sichern“ und setzen sich dabei für die Belange der Kleinbauern und der Natur ein angesichts von Ressourcenverschwendung und Landraub durch Großinvestoren.

Der Nord-Süd-Kreis hatte im Vorfeld mit den beiden Gästen ein umfangreiches Programm abgesprochen, um die Interessen aller Beteiligten zu berücksichtigen. An vier Tagen waren sie zu Gesprächen mit insgesamt 13 Klassen und Kursen von der Jahrgangsstufe 7 bis zur Q2 in der Schule. Besorgnisse, Leute aus dem Senegal könnten den Ebola-Virus einschleppen, konnten gottseidank schnell durch offenes Ansprechen dieses Themas und Aufklärung über die Ansteckungsgefahren ausgeräumt werden, so dass man sich auf den eigentlich Grund der Begegnung konzentrieren konnte. Je nach Alter informierten Oumar Sow und Jörg John die Schüler/innen über das Alltagsleben von Jugendlichen im Senegal, die Umwelterziehung im Unterricht und deren Übertragung in die Familie, die Arbeit des ökologischen Schulnetzwerks von 12 Schulen in Guédé und um Guédé herum, das Wirken und die Entwicklung der senegalesischen Nichtregierungsorganisation EndaPronat und ihre verschiedenen Aufgabenfelder, den Land- und Wasserraub im Senegal als Bedrohung für Kleinbauern und Viehzüchter, sinnvolle Alternativen zur traditionellen Landwirtschaft durch ökologischen Landbau sowie über Maßnahmen gegen die Landflucht und die Emigrationswünsche der senegalesischen Jugend.

Meist war die Zeit zu knapp bemessen, um in einen regen Austausch zu kommen. Nie aber vergaß Oumar Sow darauf hinzuweisen, dass ihre Arbeit nur möglich sei durch die kontinuierliche Unterstützung der Amos – Schüler/innen, denn das Geld werde z.B. benötigt für die Anschaffung von landwirtschaftlichen Geräten, die Ummauerung der Schulen gegen die Zerstörung der Schulgärten durch einfallende Tiere oder das Errichten einer mit Sonnenenergie betriebenen Pumpe. Die Notwendigkeit der Umwelterziehung in den Grundschulen machte er mit einem senegalesischen Sprichwort deutlich: „Man muss den Ton formen, solange er feucht ist.“ Erwachsene seien wenig lernfähig, aber was man in der Jugend erlerne, könne Früchte tragen bis spät ins Erwachsenenalter hinein und die senegalesische Gesellschaft sei eine sehr junge Gesellschaft!

Den Aufenthalt in Bonn nutzten unsere Gäste u.a. auch zu einem Gedankenaustausch mit dem schulischen Nord-Süd-Kreis über die weitere Unterstützung und die geplante Reise im Dezember/Januar. Dabei erfuhren wir, dass das Projekt gerade vom BMZ um ein Jahr verlängert wurde, ein Zeichen dafür, dass auch dort die gute Arbeit geschätzt und als erfolgreich angesehen wird. Umso bedauerlicher, dass ein angesetztes Treffen mit einem Vertreter des Ministeriums aus der Abteilung „Welt ohne Hunger“ kurzfristig von diesem abgesagt wurde.
Bei einem Empfang durch die Bezirksbürgermeisterin von Bad Godesberg, Frau Stein-Lücke, wurden Kooperationsmöglichkeiten erörtert und ein eventueller Aufbau einer Partnerschaft zwischen Guédé/ Senegal und Bad Godesberg/ Deutschland ins Gespräch gebracht. In einer Zusammenkunft mit Verantwortlichen und Ausbildungsklassen des Berufskollegs in Bonn- Duisdorf ging es um Ausbildungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft in Deutschland und deren möglichen Übertragung für eine entsprechendes Konzept im Senegal. Neben einem kleinen touristischen Programm (eine Wanderung durchs Ahrtal) und Essenseinladungen waren der Besuch eine Biobauernhofs in Wachtberg und ein Gespräch mit der Organisation FIAN, die sich auch gegen Landraub einsetzt, weitere Teile des Rahmenprogramms.

Zum Schluss bleibt festzuhalten, dass der Besuch die persönlichen und institutionellen Bande zwischen Mitgliedern des Nord-Süd-Kreises und dem ACG auf der einen Seite und Oumar Sow, Jörg John und den Schulen von Guédé sowie EndaPronat auf der anderen Seite deutlich gestärkt hat.
Besonders stolz können wir darauf sein, dass Oumar Sow im Gespräch mit der Schulleitung sagte, angesprochen auf seine Eindrücke in Deutschland: „ Wie vor fünf Jahren erlebe ich die Deutschen als sehr offen und gastfreundlich…“ Und das soll auch so bleiben, lieber Oumar, lieber Jörg! Danke, dass wir diese Zeit mit euch teilen durften!

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