Guinea-Conakry

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Arndt Brodkorb stellt sich vor

Von , 24. Oktober 2013 16:01

Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit wurde mir ein Gefühl für die unterschiedlichen Lebensentwürfe der lokalen Bevölkerung, sowie ein tieferes Verständnis für die immensen Herausforderungen der Gebietsentwicklung im ländlichen Milieu vermittelt. Bevor ich zum WFD kam, arbeitete ich für ein in Mali ansässiges Beratungsunternehmen als Leiter der Abteilung “Ökologie und Umwelt”, wo wir zu Themen wie Ernährungssicherung, Kleinbewässerungs-landwirtschaft und Nachhaltiger Tourismus gearbeitet haben.

Das Projekt ARSAMA wurde 2003 vom WFD und seiner guineischen Partnerorganisation ADECOMA ins Leben gerufen und befindet sich gegenwärtig in seiner dritten Ausführungsphase. Hier arbeite ich beratend zur Tropischen Landwirtschaft, Kleintierhaltung, zum Waldschutz und zur Organisationsentwicklung. Das Projektgebiet umfasst 6 Gemeinden der Präfektur Mali (Mittelguinea) und zählt gegenwärtig eine Gesamtbevölkerung von ca. 177.000 Menschen, davon etwas über 34.000 Kleinkinder unter 5 Jahre. Ziel des Projektes ist eine ganzjährig ausreichende und ausgewogene Ernährung für rund 50% der ärmeren Einwohner des Projektgebiets. Außerdem soll ein Teil der Aktivitäten dem Schutz der vorhandenen Biodiversität bzw. deren Regeneration dienen.

 

1)      Mich hat besonders beeindruckt, dass …

… eine so überwältigende Anzahl an afro-amerikanischen Jazzmusikern in den 60er und 70er Jahren des 20ten Jahrhunderts so geniale Sounds kreiert haben.

2)      Ich würde gern mal einen Kaffee trinken gehen mit …

… der Vierergruppe „Fernando Pessoa, Roberto Bolla?o, Alain Mabanckou und den Journalisten Juan Gomez von RFI“, um über das Phänomen der Unruhe diskutieren.1

3)      Mein schönstes Erfolgserlebnis war, als…

… ich merkte, dass ich den ersten echten Kuss in meinem Leben nicht vergeigt hatte.

4)      Am meisten aus Deutschland vermisse ich…

… die Idee der Brotzeit und das Morgenlicht im Frühling.

5)      Ganz Deutschland hört mir zu, mein Apell lautet …

… «femmes, anges mortels, création divine, seul rayon dont la vie un moment s’illumine».

Mein Zitat ist entwicklungspolitisch motiviert. Meiner Meinung nach werden viele wirklich wichtige Bewegungen in Afrika in Zukunft von Frauen ausgehen (Frauen als Lebenslichter, im Sinne von „das Licht als Bedingung für Wachstum“). Natürlich ist das eventuell kontraproduktiv zum Genderansatz, spiegelt aber meine subjektive Wahrnehmung wieder. Der zitierte Satz stammt übrigens von Alphonse de Lamartine.

1 Alle vier Personen, drei davon sehr bekannte Schriftsteller und ein bekannter Journalist, waren/sind sog. Grenzgänger, haben alle profunde Erfahrungen mit Kulturen jenseits der eigenen gesammelt – teilweise auch weniger prickelnde – und versucht diese, auch in ihren Arbeiten zu verdichten (Pessoa wuchs in Südafrika auf, Bolla?o, ein Chilene, zog mit Familie nach Mexiko, später schrieb er dann von Spanien aus, Mabanckou, ein Kongolese, studierte ab Ende der 80er in Paris). Grundsätzlich trinkt man gerne einen Kaffee mit Leuten, die man entweder sympathisch findet, oder bei denen man einen interessanten Background vermutet und die einen „kurzweiligen Aufenthalt“ ermöglichen. Zunächst, ich habe alle Schriftsteller hier vor Ort mit viel Vergnügen gelesen, das heißt, ich habe mich nicht gelangweilt, und betrachte ihre Arbeiten als angemessene intellektuelle Herausforderung. Juan Gomez höre ich regelmäßig auf RFI (Radio France International), z.B. morgens auf der Fahrt zur Arbeit. Er ist schon seit langem ein interkulturell hoch bewanderter Begleiter meines afrikanischen Alltags. Seine Sendung (Appel sur l’actualité) wird nicht nur von mir, sondern insbesondere auch von meinen afrikanischen Kollegen geschätzt und bereichert seit Jahren unzählige Debatten im frankophonen Afrika.

Pessoa hat nun ein wichtiges Werk wie folgt betitelt: „Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares“. Bei seinen Beobachtungen stößt der Autor immer wieder auf das „Drama im Menschen“, Unruhe durchzieht das vor ihm ausgebreitete tägliche Theater, wo auch immer er seinen Betrachtungsblickwinkel in diese hektische Metropole Lissabons hin lenkt (wohlgemerkt zu Beginn des 20ten Jahrhunderts). Der Mensch als Suchender nach der (absoluten) Wahrheit kann keine Ruhe finden. Pessoa hoffte selbst zeitlebens auf existentiellen Erkenntnisgewinn, um den ergo einhergehenden Zustand des (metaphysischen) „In-Sich-Ruhens“ nahezukommen. Allerdings wusste er früh, dass dies nie geschehen würde.

Unruhe erlebe ich in Afrika seit meinem ersten Aufenthalt. Der Kontinent, der schon seit langem die Morgenröte am Horizont erblickt, sucht oft fiebernd nach den richtigen Lösungen für die unzähligen Herausforderungen die da vor der Türe stehen. Neben einigen positiven Wasserstandmeldungen, verbuchen die Menschen dennoch in vielen Staaten auf ihrer Habenseite eine Menge frustrierender Erfahrungen. Das forciert die Suche.

Auch in der Arbeit fühle ich die ständige Unruhe als Last auf meinen Schultern. Vieles in der Entwicklungszusammenarbeit wird ausprobiert, einiges gelingt, anderes misslingt. Als Suchender im Hinblick auf die richtigen Strategien im Sinne der Schaffung einer „gerechteren und besseren Welt“ fühle ich mich daher natürlich auch von Pessoas Betrachtungen angesprochen. Auch wenn ich heute schon weiß, dass ich nie absolute Ruhe finden werde und wohl schlussendlich Suchender bleiben werde.

Betrachte ich nun Teile des Werkes meiner Geistesverwandten Bolla?o (2666) und Mabanckou (Verre Cassé; im deutsche Übersetzung: “Zerbrochenes Glas”), so durchweht auch hier der Geist der Unruhe die gefüllten Seiten. Ich weiß, dass sie sich freuen würden, mit mir darüber zu diskutieren…

Juan Gomez ist eh neugierig auf alles und komplettiert unsere internationale Runde zu einer „ménage à cinq“.

Guinea – steiniger Weg zu Demokratie und Menschenrechten

Von , 13. März 2013 11:12

Seit der Unabhängigkeit 1958 überlagern sich lokale, nationale sowie regionale Konflikte, die immer wieder auch gewaltsam ausgetragen werden. Dabei sind ethnische, partei- und bündnispolitische Zugehörigkeiten ausschlaggebend.

Beim Kampf um Ressourcen bedienen sich die Akteure je nach sozialer Stellung und verfügbarer Mittel sehr unterschiedlicher Strategien. Diese reichen vom Raub über Guerillakrieg und Kriegsökonomie bis hin zur „legal“ abgesicherten Korruption im Staatsapparat.

Die traditionell vorhandenen unterschiedlichen Interessen zwischen den verschiedenen Ethnien wurden immer wieder erfolgreich politisch instrumentalisiert. Autoritarismus, Putsch- und Staatsstreichgefahr sowie das Schweigen über frühere und aktuelle Menschenrechtsverletzungen verhinderten bisher die konstruktive Bearbeitung von Konflikten. Söldnerheere und Flüchtlingsströme aus den politisch instabilen Nachbarländern und die sich mit jedem Machtwechsel neu formierenden außenpolitischen Koalitionen tragen zusätzlich zur Destabilisierung bei.

„Kultur des Schweigens“
Die Diktatur des 1. guineéischen Präsidenten Sekou Touré (1958–1984) stützte sich auf Hasspropaganda gegenüber anderen Ethnien. Ein berüchtigtes Foltergefängnis, Massenexekutionen und ein weitreichendes Spitzelwesen schufen eine Kultur des Schweigens. Bis heute herrschen Angst und Misstrauen – in den Familien, Gemeinden bis hin zur hohen Politik. Schon ein Missverständnis, ein Gerücht, eine Meinungsverschiedenheit kann jederzeit in einen Gewaltexzessess münden: Zwischen Sicherheitskräften und protestierender Bevölkerung, zwischen Anhängern verschiedener unterschiedlicher politischer Parteien und Ethnien. Oder zwischen Nachbarn, die um ein Stück Land konkurrieren.

Von einer Kultur des Schweigens zu einer Kultur des Dialogs

Von , 30. November 2012 12:47

Von SUSANNE und ABOUBACAR SOUARÉ. Aboubacar ist Soziologe, seit 1995 Kooperant des Weltfriedensdienst. Beide arbeiten seit 2008 im Bereich “Vernetzung des Zivilgesellschaft für gewaltfreien demokratischen Wandel in Guinea” beim Partner RPPC (Renforcement de la Paix et Prévention des Conflicts). (veröffentlicht im KOMPASS #1/2012)

Das tiefe Misstrauen, das zwischen der Bevölkerung und bewaffneten Sicherheitskräften durch jahrzehntelangen Machtmissbrauch besteht, wird durch ein Projekt, das vom WFD mitgegründet wurde, langsam überbrückt. Mithilfe traditioneller und moderner Methoden der Konfliktprävention entsteht Spielraum für friedliche Lösungen.

Die Bevölkerung von Guinea-Conakry lebt in permanenter Angst vor Überfällen bewaffneter Banden, die ihre kriminellen Aktionen oft in Uniformen der Armee, Gendarmerie oder Polizei und mit extremer Brutalität durchführen. Gleichzeitig gehen Armee, Gendarmerie und Polizei bei Demonstrationen, Verhaftungen und Hausdurchsuchungen mit manchmal maßloser Gewalt vor. Weitgehende Straflosigkeit und eine Gerüchteküche, die von der Kultur des Schweigens genährt wird, führen dazu, dass die Grenzen zwischen Kriminalität und Sicherheitskräften verschwimmen. Die Kluft zwischen der Bevölkerung und den bewaffneten Sicherheitskräften ist die Konsequenz eines jahrzehntelangen politischen Versagens. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1958 zeichnen sich die guineischen Regierungen durch korrupte Strukturen, Unterdrückung der Opposition und den Rückgriff auf ethnostrategische Maßnahmen aus, um Macht zu erobern oder zu erhalten. Immer wieder werden in Guinea-Conakry Menschenrechte verletzt. Weiter lesen 'Von einer Kultur des Schweigens zu einer Kultur des Dialogs'»

Guinea: „Spinnennetz des Friedens“

Von , 7. April 2011 11:58

Friedensarbeit in Zeiten extremer Gewalt

von SUSANNE SOUARÉ, seit Juli 2008 im Projekt RPPC in Guinea-Conakry, seit 2011 als Friedensfachkraft des WFD. (veröffentlicht im Querbrief 1/2011)

Als wir den ersten Versuch wagten, in die Kasernen zu gehen und Fortbildungen zum Thema Bürger- und Menschenrechte anzubieten, reagierte der damalige Verteidigungsminister skeptisch. Er zitierte den verbreiteten Slogan „Die Armee, die große Stumme!“, der auf die Mauer des Schweigens verweist, die die Armee in Guinea umgibt. Aber er erklärte die Bereitschaft, an unseren Friedensforen teilzunehmen. Zu diesen Foren bringen wir Teilnehmende aus allen Bereichen der Gesellschaft an einen Tisch.

Das WFD-Projekt „Friedenssicherung und Konfliktprävention“ in Guinea (Conakry) wurde  im Oktober 2007 auf Initiative der guineischen Menschenrechtsorganisation OGDH (Guineische Organisation für Menschen- und Bürgerrechte) ins Leben gerufen. OGDH hat es sich zur Aufgabe gemacht, über eine Vernetzung der Zivilgesellschaft und des Militärs einen Beitrag zum gewaltfreien, demokratischen Wandel in Guinea zu leisten. 2007 hatte der Unmut der Bürger über die schwierige Situation von politischer Instabilität, Korruption und Perspektivlosigkeit zu zahlreichen Demonstrationen und einem landesweiten Generalstreik geführt. Sicherheitskräfte, verstärkt durch Söldner aus Guinea Bissau, gingen äußerst brutal gegen die demonstrierenden Jugendlichen vor und es gab viele Verletzte und über 120 Tote.

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