Mom ku Mom

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Revolutionäre Volksbefreiungsarmee, Paolo Freire und WFD

Von , 24. September 2012 16:01

Guinea Bissau 1975: Erste Zusammenarbeit mit bewaffneten Gruppen
von BERND LEBER (August 2012)

Während des Befreiungskampfes der damaligen portugiesischen Kolonien hatte man sich im WFD  seit 1973 besonders mit Guinea Bissau und der Unterstützung der Bevölkerung in den „Befreiten Gebieten“ beschäftigt. Dadurch entstanden noch während des Krieges auch Kontakte zur Revolutionären Volksbefreiungsarmee (FARP), die  im Frühjahr 1974 den damaligen Geschäftsführer Peter Sohr als Gast zu einem klandestinen Besuch in die  befreiten Gebiete eingeladen hatten. Peter Sohr ist wurde dann von einer FARP-Kämpfer-Gruppe in langen Fußmärschen mit seiner Frau Gretel in die noch von portugiesischen Kolonialtruppen meist aus der Luft angegriffenen nördlichen Regionen eskortiert -„embedded“ in die FARP, wie man heute zu dieser Konstellation sagen würde. Dieser Besuch fand just zu dem Zeitpunkt statt, als nach Militärputsch und „Nelkenrevolution“ in Portugal die Feindseligkeiten in den Kolonien und damit auch in Guinea Bissau eingestellt wurden. Weiter lesen 'Revolutionäre Volksbefreiungsarmee, Paolo Freire und WFD'»

“Mom ku Mom” – Hand in/mit Hand

Von , 7. April 2011 11:31

 Zusammenarbeit und Versöhnung bewaffneter und unbewaffneter Gruppen

von JASMINA BARCKHAUSEN (veröffentlicht im Querbrief 1/2011)

„Mom ku Mom“ – dieser mehrdeutige Name steht heute in Guinea-Bissau für ein etwas ungewöhnliches Projekt der (inter)nationalen Zusammenarbeit. Die ca. 60 Mitglieder der Partnerorganisation „Djemberem di cumpu Combersa” (DDCC) könnten unterschiedlicher kaum sein. Noch im “Krieg des 7. Juni”, der 1998 die Menschen in Guinea Bissau bis heute traumatisierte (siehe Querbrief 2/2010), versuchten sie sich gegenseitig im Ressourcenkampf auszustechen. Heute geben AusbilderInnen von Militär und Polizei im DDCC ein tatkräftiges Beispiel für vertrauensvolle Zusammenarbeit und Versöhnung. VertreterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen stehen ihnen dabei tatkräftig zur Seite. „Mom ku Mom” könnte auch mit „Handgreiflichkeit” übersetzt werden, oder „eine Hand wäscht die andere” bedeuten, hier ist jedoch das gemeinsame Zupacken gemeint. Die Redewendung beschreibt also ein soziales Übel und verweist gleichzeitig auf Wege aus der ständigen Wiederholung der Gewaltanwendung in sozialen Konflikten.

Die Friedensquelle

Ein handfestes Beispiel dafür hat Mom ku Mom im ehemaligen Konfliktgebiet der Hauptstadt Bissau entstehen lassen: Die Quelle von Brá, an der einst die Frontlinie verlief, wurde vergangenes Jahr in „Fonti di Paz“ umbenannt und von Militärangehörigen neu eingefasst. Den Gefallenen aller Kriegsparteien und den zivilen Opfern wurde damit ebenso ein Denkmal gesetzt, wie dem Leben und der Gesundheit zukünftiger Generationen. Immerhin soll die Quelle die Wasserversorgung für drei angrenzende Stadtteile sichern. Mit der „Friedensquelle” sollten Worte der Versöhnung durch konkrete Handlungen unterstrichen werden.

Militärische Einheiten sind hier die Orte, an denen die Nation entsteht

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Soldaten für Frieden

Von , 2. August 2008 00:05

Ausschnitte aus Interviews mit Angehörigen der Streitkräfte Guinea-Bissaus, die ab 2006 an der friedenspädagogischen Ausbildung von UNDEMOV und WFD teilgenommen hatten. Die Interviews führten MARIO MIRANDA und ALEJANDRA MAASS CRUZAT 2007. (veröffentlicht im Querbrief 3/2008)

Unteroffizier Carfala Danfa Grenzschutz – Ingoré: „Der Workshop lief sehr gut für mich, aber gleich im Anschluss begann der Krieg. Dort habe ich sofort begonnen, meine neuen Kenntnisse im sozialen Dialog mit meinen Kollegen anzuwenden. In den Feuerpausen führte ich mit ihnen einige Spiele und Übungen durch. Das hat dazu beigetragen, die Motivation zu verbessern, den Krieg in Zukunft möglichst zu meiden und nach friedlichen Wegen zu suchen, insbesondere bei Konflikten zwischen Militär und Zivilbevölkerung. Dadurch konnte ich während des Konfliktes grausames Verhalten – wie Raub und Misshandlungen – verhindern. Ich denke, dass der Workshop zu einem besseren Verhalten des Militärs während des Konfliktes beigetragen hat, denn wir wollten keinen Krieg – ich glaube, wir alle haben ein wenig dazu beigetragen, noch mehr Gewalt zu verhindern.“

Hauptmann Martinho Djatá Militärische Zone Nord – Mansoa, Verantwortlicher für staatsbürgerliche Erziehung, soziale Angelegenheiten und öffentliche Beziehungen: „Als der Konflikt in der Casamance erneut ausbrach, ließ mich mein Kommandant zunächst die Ausbildung beenden. Meine Teilnahme-Urkunde konnte ich jedoch nicht mehr entgegen nehmen, weil ich an die Front musste. Als Berater des Kommandanten musste ich diese Operation unterstützen, wobei mir die Erfahrungen der beiden Ausbildungsphasen sehr von Nutzen waren: Mir wurde bewusst, wie mit Kriegsgefangenen umzugehen ist, dass nicht gefoltert und geplündert werden darf, Krankenhäuser und Kirchen nicht angegriffen werden sollen und die Beziehungen zur Zivilbevölkerung gestärkt werden müssen. Die Ausbildung nützt mir auch in der alltäglichen Arbeit. In unserer Zone gibt es verschiedene Konflikte wie Viehdiebstahl, Besetzungen von Land und Ackerflächen und Diebstahl von Elektrizitätskabeln. Da die Justiz nicht gut funktioniert, wird ihre Aufgabe von den Bewohnern selbst übernommen. Dabei kommt es häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Da sonst keine Autoritäten an Ort und Stelle sind, werden wir oft gezwungen einzugreifen. Daher wäre es gut, einen Ort für Mediation einzurichten.“

Oberleutnant Adja Cândida Baldé de Pina Generalstab der Armee, Bissau: „Diese Ausbildung hat einen Dialog mit der Zivilgesellschaft initiiert, der für mich sehr wichtig war und mich zum Weitermachen motiviert. Nach dem Seminar haben wir einen Brief an die Regionalleitung geschrieben, in dem wir forderten, die Beziehungen zwischen der Armeeeinheit und der Bevölkerung zu verbessern. Im Anschluss an den Workshop von 2006 habe ich in Bafatá und Gabú ein gemeinsames Sport- und Kulturfest zwischen Militär und Zivilbevölkerung organisiert, an dem viele Personen teilgenommen haben. Ich habe nur die Frauen gezählt, es waren 75. Die Bevölkerung hat mich dann mit Materialien unterstützt, um innerhalb der Kaserne von Gabú einen Gemüsegarten anzulegen.”

Die Meinung eines Vorgesetzten Oberst Braima Djanco Generalstab der bewaffneten Kräfte, Bissau, Verantwortlicher für staatsbürgerliche Erziehung, soziale Angelegenheiten und öffentliche Beziehungen: „Um überhaupt eine Chance zur Entwicklung zu haben, ist es notwendig, zu sensibilisieren und zu lernen, Konflikte friedlich zu lösen. Wir sind bereit, den Frieden und die Stabilität in Guinea-Bissau zu unterstützen. Unsere Aufgabe ist es, gewalttätigen Ideen entgegen zu wirken. Wir werden die Multiplikatoren innerhalb der Armee bei der Umsetzung des Gelernten unterstützen. Ich glaube, dass wir alle mit der angewandten Methode sehr zufrieden sind, denn sie steht im Einklang mit der Realität des Landes. Ich persönlich finde die Idee sehr interessant, dass die Spezialisten ‚Facilitadores‘ sind, also den Dialog ermöglichen, statt uns Ideen aufzuzwingen. Es sind die Teilnehmer, die ihre Ideen einbringen und darüber diskutieren, das ist eine Übung in Demokratie. Jeder von ihnen ist ein ‚Facilitador‘, und sie können Rekruten, Soldaten und Offiziere ausbilden.“

 

„Einheit – Kampf – Fortschritt“

Von , 1. August 2008 23:43

Eine friedenspädagogische Ausbildung für Militärangehörige in Guinea Bissau

von JASMINA BARCKHAUSEN, Paulo-Freire-Institut, Berlin. Ethnologin und Friedenspädagogin, 2005, 2006 und 2008 als Expertin, seit 2009 als Friedensfachkraft des Weltfriedensdienst in Guinea-Bissau. (veröffentlicht im Querbrief 3/2008)

Seit 2005 bildet die Partnerorganisation des Weltfriedensdienstes UNDEMOV Angehörige des guinéischen Militärs darin aus, Konflikte friedlich beizulegen und auf militärische Mittel zu verzichten. Jasmina Barckhausen hat die Workshops als Trainerin geleitet. Der Vorschlag, mit einer Gruppe von Militärangehörigen in Guinea-Bissau zu arbeiten, fiel bei mir auf fruchtbaren Boden. Guinea-Bissau war mir aus DDR-Zeiten als „Bruderland“ in Erinnerung, das durch einen Befreiungskrieg seine Kolonialmacht Portugal besiegt hatte und sich an das „sozialistische Lager“ anlehnte. Es schien mir auf der Hand zu liegen, dass es im Dialog mit Angehörigen einer Armee, deren Gründungsgeschichte auf einem Befreiungskampf basiert, möglich sein müsste, an diese Tradition anzuknüpfen, die Realität mit den Utopien in Verbindung zu bringen und über die Angemessenheit der Mittel ins Gespräch zu kommen.

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Pädagogik der Hoffnung

Von , 1. August 2008 23:31

Ziviler Friedensdienst in Guinea-Bissau

von ALEJANDRA MAASS CRUZAT, Erzieherin, von 2000 bis 2005 als Friedensfachkraft des WFD in Guinea-Bissau und von 2005 bis 2008 mehrmals als Beraterin. (veröffentlicht im Querbrief 3/2008)

Seit 1990 bekämpfen sich die MFDC in Guinea-Bissau und die Regierung Senegals wegen der Frage der Unabhängigkeit der Region Casamance. Die Bevölkerung leidet nun schon seit vielen Jahren unter dem immer wieder aufflammenden Konflikt. Der WFD unterstützt seinen Partner UNDEMOV darin, MultiplikatorInnen auszubilden, die sich innerhalb nationalstaatlicher Strukturen für die friedliche Lösung des Konfliktes einsetzen.

Zum ersten Mal reiste ich kurz nach dem Ende des Krieges von 1998/99 nach Bissau. Die Stadt machte einen entsetzlichen Eindruck, es gab nur wenige Einwohner – viele waren in andere afrikanische Länder oder nach Portugal geflohen. Viele Häuser waren sichtbar zerstört, auf den Straßen standen verlassene Militärfahrzeuge, auf einigen öffentlichen Plätzen wurde vor nicht explodierten Sprengkörpern gewarnt.

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