Make Food not War

Von , 14. Februar 2016 20:26

Heute ist Valentinstag und deshalb erlaubt sich Agent181251 einen Exkurs. Er erinnert an das Alt 68er Motto „Make Love not War“, „liebt euch und bekriegt euch nicht“.

Essen ist bekanntlich der Sex des Alters und deshalb ist der Slogan einer Imbissbude der Berlinale Slow Food Meile am Potsdamer Platz sehr zeitgemäß.

Oder um es mit den Worten des Weltfriedensdienstes zu sagen: „Nahrung braucht Frieden“ und „Frieden braucht Nahrung“. Gute Filme nähren den Frieden.

Wer bin ich?

Von , 13. Februar 2016 20:13

Agent181251 ist ein Einzelkämpfer, ein Steppenwolf, der die Herde der Berlinale Besucher belauert. Er achtet auf Spuren, die ihn der Erfüllung seines Auftrages näher bringen. Noch hat das Festival keine Struktur. Die bildet sich erst in den nächsten Tagen heraus. Sie ist z.B. zu erkennen, wenn an Kinoeingängen hoffnungsvolle Cineasten stehen, in den Händen kleine Pappschilder. Drauf steht „Karte gesucht“, oder in der optimistischeren Fassung: „Karten gesucht“. Dann weiß der erfahrene Festivalbesucher: hier hat Flüsterpropaganda einen Favoriten ausgemacht. Man sollte tunlichst auch nach einer Karte dafür suchen. Leider gibt es bei dieser Methode eine negative Korrelation mit dem Auftrag für Agent 181251. Tendenziell hat ein Film mehr Chancen, Kultstatus zu bekommen, je brutaler er ist. Wie ein südhessischer Freund im Kommentar schreibt: „Frieden möchte jeder haben, aber keinen Film darüber sehen“. Und klammheimlich genießt auch Agent 181251 Til Schweiger Tatorte oder Filme von Quentin Tarantino. Pfui! Das bin ich nicht – das hat die Berlinale aus mir gemacht. Zum Friedensfilm ist noch ein weiter Weg!

Macht nix

Von , 12. Februar 2016 15:38

Gestern habe ich Karl May zitiert. „Wenn der Krieg eine eiserne Hand hat, dann braucht der Frieden eine stählerne Faust“. Das führte zu Gesprächsbedarf, vor allem bei FriedensfreundInnen. Gandhi hat ja darauf hingewiesen, dass Frieden nur mit friedlichen Mitteln zu erringen ist. Das stimmt, aber was die geneigten LeserInnen nicht wissen können: das Karl May Zitat stammt aus einer Unterhaltung, in der es um Machtentfaltung geht. Und Macht müssen auch die Friedfertigen entfalten, sonst ist es mit dem Frieden schnell wieder vorbei. Aber die Vokabel ‚Macht‘ gehört für viele Peaceniks zu den verbotenen Worten. Schade. Denn Macht ist ein schönes Kriterium für einen Friedensfilm. Filme können „ermächtigen“ (empowerment), sie können Macht in Frage stellen und nicht zuletzt auch Macht ausüben, z.B. indem sie einen gesellschaftlichen Diskurs auslösen. Und das alles ohne Gewalt, mit friedlichen Mitteln. Ich liebe Filme! Besonders die Machtvollen!

Einen Friedensfilmkandidaten habe ich auch schon inspiziert. In “Havarie” filmt der Passagier eines Kreuzfahrtschiffes mit seinem Handy ein vollbesetztes Flüchtlingsboot, an dem sie vorbeifahren. Immerhin informiert der Kapitän die Küstenwache, die sich mit einem Rettungsboot auf den Weg macht. Man wird 90 Minuten brauchen, um die Nussschale zu erreichen. Das Video ist knapp 4 Minuten lang - der Regisseur streckt es auf die 90 Minuten, die die Retter unterwegs sein werden. Eine gefühlte Ewigkeit dümpelt das Boot im endlosen Meer. Währenddessen ist der Funkverkehr zwischen der Küstenwache und verschiedenen Schiffe zu hören, und diverse Telefongespräche, die den Menschen im Boot Kontur geben. 90 Minuten einem kleinen Boot zuschauen, dessen Insassen sich nicht bewegen können, das fördert das Einfühlungsvermögen in die verzweifelte Lage der Flüchtenden. Empathie ist ein klares Merkmal für einen Friedensfilm.

Machtvoll und empathisch, so sieht er aus, mein Friedensfilm. Die Sache macht sich!

Von Schlangen und Phantombildern und dem Recht auf Glück

Von , 11. Februar 2016 10:20

Wenn über 3.000 akkreditierte Journalisten, PR-Agenten und sonstige Medienvertreter erst 24 Stunden vor Beginn der Berlinale ihre Akkreditierung abholen dürfen, dann entstehen Schlangen am Ausgabeschalter. Und Schlange stehen gehört nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen von Medienmachern. „Hinten anstellen“ schon gar nicht. Ich habe selten eine so bewegte Warteschlange gesehen. Es war eher ein Kreistanz. Wer gerade noch vorne war schaute plötzlich auf Rücken die eben noch nicht da waren – das wurde zwar lautstark moniert … aber eine gewisse Anerkennung für den Coup klang mit. Die Stimmung blieb heiter. Schon vor der Eröffnung scheint das heimliche Berlinale Motto vom „Recht auf Glück“, das Festivaldirektor Dieter Kosslick im Interview mit radioeins proklamierte, die BesucherInnen zu beseelen.

Meinem Ziel, den Friedensfilm zu finden, bin ich bis jetzt nur unwesentlich näher gekommen. Immerhin habe ich jetzt meinen Agentenausweis. Aber mir fehlt noch ein Steckbrief. Leider weiß niemand so genau wie der Friedensfilm aussieht. Da versuche ich es zunächst mal mit einem Phantombild. Karl May schreibt 1909 in seinem Roman „Ardistan“: „Wenn der Krieg eine eiserne Hand hat, dann braucht der Frieden eine stählerne Faust“. Interessanter Ansatz. Ich werde verstärkt auf stählerne Fäuste achten. Und bin allen LeserInnen dankbar für Hinweise, die mein Phantombild vervollständigen.

Das war’s

Von , 16. Februar 2014 15:44

Berlinale ist Ausnahmezustand – früh aufstehen, spät ins Bett kommen, akkumuliertes Schlafdefizit. Leute treffen, die man sonst im ganzen Jahr nicht sieht. Und Bloggen. Das bedeutet, über das Erlebte nachzudenken und es in Worte zu fassen. Es ist Teil meiner „Psycho-Hygiene“, so eine Art Zähneputzen, damit die Schmutzreste nicht Nachts in den Zahlhöhlen Unfug treiben. Beim Zähneputzen bin ich in aller Regel alleine, mit diesem Blog lasse ich die Welt zuschauen. Bloggen ist ja so etwas wie Tagebuch schreiben, eines mit kleinem Vorhängeschloss dran. Journal Intime, wie es die Franzosen nennen. Aber wenn man das Intime öffentlich macht, wird es politisch. Und wenn es nur unsortierte Gedanken sind, sie können auf tausendfaches Echo stoßen, sogar Revolutionen auslösen. Nicht auszudenken, wie die deutsche Geschichte verlaufen wäre, wenn Georg Büchner gebloggt hätte, statt den Hessischen Landboten drucken zu lassen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hessische_Landbote)
Ich höre heute erst mal mit dieser Art revolutionärem Treiben auf. Danke für die vielen Rückmeldungen an mich. Hier auf der Seite kann man regelmäßig den Fortgang der Projekte des Weltfriedensdienstes verfolgen. Immer mal wieder reinschauen lohnt sich! Tschüß!

 

Friedensfilmpreis 2014 vergeben!

Von , 14. Februar 2014 23:53

Der Friedensfilmpreis 2014 geht an “We Come As Friends”. Der österreichische Filmemacher Hubert Sauper fliegt mit einem selbstgebauten Kleinflugzeug nach Afrika, ins Epizentrum eines Konfliktes: in den Sudan. Bei jeder seiner vielen Landungen begegnet er Menschen, die Akteure in einer für den Kontinent exemplarischen Situation sind. Was zunächst interventionistisch erscheint wird zu einem wichtigen künstlerischen Mittel, das überraschende Einblicke gewährt. Alle sind Aliens: der amerikanische, evangelikale Pastor, die chinesischen Ölproduzenten und der Filmemacher selbst. Sie treffen lokalen Eliten die auf ausländische Investitionen hoffen. Und auf Sudanesen die unter teils erschreckenden Bedingungen leben. Der Detailreichtum des Films macht neugierig, auch weil der Film zeigt, dass die Fehler der kolonialen Vergangenheit wiederholt werden. Er kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, an dem Afrika von der deutschen Außen-und Sicherheitspolitik wieder entdeckt wird. Die „Freiheit“ wird bald nicht mehr nur am Hindukusch verteidigt, sondern auch jenseits der Sahara. Und damit auch der Zugang zu Rohstoffen: „We Come As Friends“.

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