22. März 2010 – Weltwassertag

Spülen ist (auch) Männersache!
22. März 2010 – mein erster Tag im Fußballinternat. Es liegt etwas einsam in einem Neubaugebiet am Stadtrand, das gerade erst erschlossen wird. Die Jungens sind freundlich, aber sichtlich geniert, dass ich ihnen mit der Videokamera bei ihren Alltagsbeschäftigungen zuschaue. Die Jungens halten die Räume sauber, spülen ab und waschen ihre Wäsche selber. Da täglich zweimal trainiert wird, kommt einiges zusammen. Wen immer ich von den Schülern nach seinem Berufswunsch frage, die Antwort lautet: Profifußballer. Realistischerweise werden allenfalls einige den Weg in den Berufsfußball finden. Deshalb wird auf Schulbesuch großen Wert gelegt, wer da fehlt oder auch keine Leistung bringt, riskiert Trainingsverbot. Deshalb, und weil die Internatsschule besser ausgestattet ist als normale Schulen, in denen bis zu 100 Kindern in einer Klasse unterrichtet werden, sind die Leistungen zufrieden stellend. Der erste Jahrgang hat den Hauptschulabschluss komplett bestanden. Auch wenn die Jugendlichen das im Moment noch als zweitrangig betrachten, es wird für die meisten der Moment kommen, an dem sie froh sein werden, ihre Jugend nicht komplett an den Fußball verkauft zu haben. Die am Samstag erwähnten Adama und Aristide haben noch ausschließlich ihre Karriere im Kopf.
Mein Besuch fällt in die Osterferien, die heute begonnen haben. Also kein Schulunterricht. Aber das Fussballtraining geht in zwei von drei Ferienwochen weiter. Also auch für die keine Heimfahrt, die eine Familie haben. Es ist schon eine ziemliche Herausforderung für die Erzieher, 72 Jugendliche weit vor der Stadt bei Laune zu halten. Als sehr hilfreich erweist sich der mit Solarenergie betriebene Fernseher mit Video und DVD. An zwei Abenden der Woche, Donnerstag und Samstag, legen die Erzieher pädagogisch wertvolle Kassetten ein, mit denen die soziale Erziehung der Jugendlichen gefördert werden soll. Da wäre ich gerne mal Mäuschen. Als ich da bin, laufen Musikvideos.
Heute ist der Weltwassertag. Der macht hier in den Medien ziemlich viel Wind. 9 Millionen, der ca. 14 Millionen Burkinabé haben keinen Zugang zu WCs, eine enorme gesundheitliche Belastung. Sie betrifft auch die Ballungsgebiete. Wo bei uns steht „Plakatieren verboten“ steht hier „Pinkeln verboten“. Mit dem Zugang zu Trinkwasser sieht es auch problematisch aus. Vor allem Kinder verdienen sich damit etwas Geld. 10 CFA (2 Eurocent) kostet ein mit ca. einem Viertelliter Wasser gefüllter Plastikbeutel. Eine Packung mit leeren Plastikbeuteln, freier Zugang zu einem Wasserhahn und fertig ist das Kleinunternehmen. Mit dem melodischen Ruf Lololololooo (französisch für Wasser, Wasser, Wasser) gehen die Wasserbeutel bei derzeit etwa 40 Grad im Schatten weg, wie bei uns die sprichwörtlichen warmen Brötchen. Da kann man nur hoffen, dass der Produzent den Wasserhahn nicht nur als Geldquelle, sondern auch zum Waschen der Hände benutzt. Oder man kauft sich, wenn man es sich leisten kann, Markenwasser für fast den zehnfachen Preis. Das hat dann sogar ein Verfallsdatum aufgedruckt.

