Nachrichten getagged: Rio de Janeiro

Danke

Von Weltfriedensdienst e.V., 21. April 2010 14:39
Christiano Camerman und Projektkoordinatorin Uli Lauerhass

Christiano Camerman und Projektkoordinatorin Uli Lauerhass

Cristiano Camerman, Geschäftsführer bei CAMPO, schreibt am 19. April 2010:

Der Regen hat aufgehört. Alle geflüchteten Personen sind nach Hause zurückgekehrt. Der WFD hat Ende letzter Woche eine Nothilfespende von 5.000 € angekündigt. Die Berater von CAMPO sind vor Ort, um gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden zu besprechen, wie die Überschwemmungsopfern am effektivsten Soforthilfe erhalten und die 5.000 € eingesetzt werden können.
Mittelfristig werden in Marinha und Palmeirinhas 1.500 Familien ihre Häuser verlassen müssen. Da es mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten 6 (Winter-)Monaten nicht mehr regnen wird, hat es keine große Eile. Gemeinsam mit der Präfektur wird bereits beratschlagt, wohin diese Familien umziehen sollen. Verständlicherweise möchten sie nicht zu weit von ihrem bisherigen Zuhause leben.
Die MitarbeiterInnen von CAMPO und die VertreterInnen der betroffenen Gemeinden danken dem WFD und seinen SpenderInnen sehr für die kurzfristige und unbürokratische Nothilfe!
Cristiano

Hilfe!

Von Weltfriedensdienst e.V., 13. April 2010 16:15

Liebe Freundinnen und Freunde,
von den WFD-Projektgemeinden sind vier betroffen. Am Schlimmsten ist es in Palmeiras, eine Favela, die sehr nahe an der Guanabara-Bucht liegt. Die Nachbargemeinde Marinha, ist ebenfalls schwer betroffen.Serpa und Salgueiro sind nicht direkt von der Flutwelle betroffen, stellen aber das “logistische Hinterland” für die Hilfe für die Opfer dar. Von hier aus wird die Sammlurio-001ng der Hilfsgüter, vor allem Kleidung und Lebensmittel, aber auch Dinge des täglichen Bedarfs wie Windeln, Trinkwasser oder Zahnbürsten organisiert. Schäden wie in den beiden erstgenannten Gemeinden hat es hier nicht gegeben. Samstag habe ich mit Jean, dem Pastor der Baptistengemeinde gesprochen, mit dem wir seit Jahren eng zusammenarbeiten. Er hat in seiner Kirche 460 Familien untergebracht, die dort auch versorgt werden. Fünf Tage und Nächte hat er nicht geschlafen.

In Marinha ist das Wasser am Samstag weitgehend zurückgegangen und die Menschen sind in ihre zerstörten Häuser zurückgekehrt, teils auf LKWs der brasilianischen Marine, teils zu Fuß. Das Wasser stand in den Häusern etwa 1,5 Meter hoch und hat alles zerstört, was an Möbeln, Betten, Hausrat in den Wohnungen war. Die Menschen haben ihre Habseligkeiten vor die Häuser zum Trocknen in die gelegentlich wieder durchscheinende Sonne gestellt. Am dringendsten fehlt es an Schlafunterlagen (wir haben von hier in Rio bereits eingegangenen Spenden dünne Matratzen – Schlafsackqualität – gekauft) und Decken zum Zudecken, da es kühler geworden ist. Wie die Versorgung mit Essen ist, weiß ich im Moment nicht. Die kleinen Lädchen, die es in den beiden Gemeinden gibt, aber auch die beiden großen Supermärkte in Alcantara völlig überflutet waren und alle Lebensmittelvorräte vernichtet wurden. Das Rote Kreuz hat Lebensmittel geliefert, aber es scheint so zu sein, dass nicht alle Betroffenen von dieser Hilfe erreicht werden konnten.
Palmeiras ist die Lage noch kritischer, da dort am Samstag das Wasser noch nicht ganz zurückgegangen ist. Die Entfernung zum “logistischen Hinterland” Salgueira/Serpa ist auch zu groß, um sich dort Hilfsgüter zu holen. Samstag haben wir deshalb einen LKW organisiert, mit dem Kleidung und Lebensmittel nach Palmeiras gebracht wurden. Die Hilfsmittel stammen aus Spenden, die bei CAMPO eingehen.

Nach Auskunft der Präfektur sollten die beiden Gemeinden evakuiert werden, aber das wird dauern, denn erstens wollen die Menschen nicht aus ihren Häuschen weg, zum andern müssen Unterkünfte gebaut werden und das wird dauern. Zumal auf die Präfektur kein Verlass ist.

Wir brauchen weiter dringend eure Hilfe. Die CAMPO-Beraterinnen sind täglich im Katastrophengebiet unterwegs und im engen Kontakt mit den Betroffenen. Die Not ist groß, aber bis jetzt sind relativ wenig Spenden auf dem CAMPO-Konto eingegangen. Davon haben wir Schlafunterlagen und Decken gekauft. In den Häusern fehlt es ja an allem, z.B. wurden alle Kühlschränke zerstört und in den Tropen geht es nicht ohne Kühlschrank. CAMPO ist schon dabei, gebrauchte Kühlschränke einzusammeln, aber das bringt erhebliche Transportprobleme mit sich, weil sie von Rio aus kommen. Eine Gasflasche, um Kochen zu können, kostet € 15.-. Der Bedarf wird eng mit den Betroffenen bzw. den Vertretern der lokalen Gruppen abgestimmt, die sehr genau wissen, was die Menschen brauchen und woran es am Dringendsten fehlt. Es gibt auch Hilfe von der Präfektur, aber in sehr bürokratisierender und unzureichender Form, was bereits zu Konflikten mit den Bewohnern geführt hat.

Herzliche Grüße und vielen Dank für Eure Unterstützung,
Lutz Taufer, Rio de Janeiro

mit voller Wucht getroffen!

Von Weltfriedensdienst e.V., 10. April 2010 11:53

Hier ein Bericht der WFD-Projektmitarbeiterin Rosangela Angelo, Leiterin des Arbeitskreises Erziehung beim WFD Partner CAMPO. Sie berät und betreut mehr als 10 kommunale Kindertagesstätten. Im Herbst 2009 war sie zu den WFD 50-Jahre Feiern in Berlin. Sie schreibt am 9.4.2010:

ehemalige Küche ...

ehemalige Küche ...

„Liebe Freundinnen und Freunde in Deutschland,
ich weiß nicht, ob euch in Berlin die dramatischen Nachrichten aus Rio erreicht haben. Nicht alle Orte hat die Flut gleichermaßen getroffen, aber mit voller Wucht traf es unsere Projektregion São Gonçalo. Die Gemeinden Marina und Palmeirinhas wurden völlig überschwemmt. Alles, aber auch alles, wurde zerstört. Um sich vor den Wassermassen zu retten, stiegen die Menschen auf die Dächer der wenigen mehrstöckigen Steinhäuser.

Ein Team von CAMPO fuhr sofort in die Gemeinden, um Hilfe zu bringen und was wir erlebten, war entsetzlich. Hunderte Personen obdachlos, einige hatten ihre Kinder verloren. Wir halfen, die Kinder zu suchen und trafen eine Erzieherin der Kindertagestätte Palmeirinhas, die von CAMPO betreut wird. Sie berichtete, wie es ihr gelungen ist, ihre Familie und einige Kinder zu retten: sie barg sieben Kinder in einer Plastikkiste, die sie zusammen mit ihrem Mann schwimmend fortbewegte. Sie erzählte, in den ersten Stunden wären die Betroffenen völlig auf sich allein gestellt gewesen. Da die Regenmassen in sehr kurzer Zeit herunterkamen, war die Feuerwehr völlig überfordert und kam erst nach Stunden. Kein Haus in Palmeirinhas blieb stehen, die Kindertagesstätte steht bis zum Dach unter Wasser. Aufgewühlt erzählt sie, dass sie alles verloren hätten. Aber sie sind froh, noch am Leben zu sein. Den anderen Erzieherinnen erging es ähnlich, einige von ihnen sind in Schutzhäusern, andere bei Verwandten untergekommen.

Das volle Ausmaß der Schäden wird man erst erkennen, wenn das Wasser wieder sinkt. Die Kindertagesstätte von Itaoca ist glücklicherweise halbwegs intakt geblieben, nur der Zugang ist sehr erschwert. Die Abflussrohre müssen dringend erneuert werden, eine Arbeit, die ohnehin für dieses Jahr geplant war. Vor der Gruppe stehen große Herausforderungen.

In São Francisco wurden die Kindertagestätten Jardim Catarina e Bom Retiro nicht so sehr betroffen wie die in Palmeiras. Die Abflüsse sind verstopft, die Straßen sind von Dreck versperrt, z.T. die Dächer beschädigt, aber all das kann später wiederhergestellt werden. Die Kindertagesstätte von Serpa dient als Zufluchtsstätte für viele Familien, die alles verloren haben. Wir sammeln Spenden für die heimatlos Gewordenen.

In Rio selbst ist die Lage noch sehr verzweifelt, zumal viele Gebiete noch von Erdrutschen bedroht sind. Viele Familien sind obdachlos geworden, die Suche nach Vermissten geht weiter.

Wir erleben einen sehr schwierigen Moment, aber wir hoffen, dass wir bald alles wiederaufbauen können, was wir verloren haben. Die Solidarität und Zärtlichkeit der Menschen ist das, was uns für die Zukunft Hoffnung macht.

Es grüßt euch Rosangela.“

Mehr Fotos gibt es auf dem Blog des CAMPO-Zentrums in Salgueiro: http://centrocidc.blogspot.com/

SOS aus Rio de Janeiro

Von Weltfriedensdienst e.V., 10. April 2010 11:41
Aus Straßen wurden Flüße

Aus Straßen wurden Flüße

Nach den heftigsten Regenfällen seit fast einem halben Jahrhundert werden im Großraum Rio de Janeiro mittlerweile über 170 Tote und 14.000 Obdachlose gezählt. Besonders betroffen von dramatischen Überschwemmungen und Erdrutschen ist die Gemeinde São Gonçalo vor den Toren von Rio de Janeiro. Der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Sergio Cabral, hat für São Gonçalo, und nur für São Gonçalo, einen 90-tägigen Notstand ausgerufen. Der Weltfriedensdienst unterstützt dort das „Centro de Assessoria ao Movimento Popular – CAMPO“ (http://www.wfd.de/wfd/bildung/bildung/p00217.html). Hier der Bericht des WFD-Mitarbeiters Lutz Taufer von Donnerstag, dem 8. April:

„Liebe Freunde in Deutschland,
die Situation im Projektgebiet ist viel dramatischer als wir bisher angenommen haben. Das erfahre ich heute morgen von meiner Kollegin Roberta, die gestern den ganzen Tag dort war. Zum Regensturm kam eine Sturmflut, die vor allem die beiden Orte Palmeiras und Conjunto Marinha meterhoch unter Wasser gesetzt haben. Feuerwehr und Ziviler Hilfsdienst haben zahlreiche Tote aus den Häusern geborgen. Die Militärpolizei geht gegen Plünderer vor.

Nach Mitteilung des Stadtrats Paiva der Präfektur von São Gonçalo werden zwei Favelas aufgegeben, d.h. die Bewohner werden evakuiert. Viele Menschen weigern sich, ihre Häuser zu verlassen und halten sich auf den Dächern ihrer Häuser auf. Viele haben ihre hochstehenden Wasserreservoirs geleert, um Kinder und Alte in den Behältern vor der Flut zu schützen. Im Wasser schwimmen Krokodile und Kobras. Die beiden vom WFD geförderten Berufsbildungszentren Palmeirinhas und Conjunto Marinha sind auf dem Landweg nicht mehr zu erreichen.

Vor allem, weil die Flut in Minutenschnelle stieg, haben die Menschen alles verloren, nicht zuletzt auch alle Dokumente. Retten konnten sie nur das, was sie auf dem Leib trugen. Die Hilfe in der Region läuft an, aber sie ist unkoordiniert und viel zu gering. Es fehlt an Geld, vor allem um Lebensmittel zu kaufen. Der Kindergarten Serpa (WFD-Projekt) hat obdachlose Familien aufgenommen, und kocht für sie aus seinen bescheidenen Vorräten. Es fehlt nicht zuletzt auch an psychologischer Betreuung, viele Menschen sind verzweifelt, kaum mehr ansprechbar. CAMPO hat Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, um obdachlose Menschenunterzubringen. Eure Hilfe leite ich sofort an die Bedürftigsten weiter, vielen Dank dafür!
Lutz Taufer“

Die am schlimmsten betroffenen Menschen in den Favelas brauchen dringend Hilfe. Der WFD verfügt mit seinem Projekt Campo über die notwendigen Kontakte, um Hilfe sofort wirksam werden zu lassen. Spenden auf unser Spendenkonto 505 bei der Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00
swiftcode: BFSWDE33BER, IBAN: DE06 1002 0500 0003 1475 05, Stichwort ‚Nothilfe Rio’ werden umgehend an CAMPO weitergeleitet. Unsere MitarbeiterInnen vor Ort tun alles, um die Not in den betroffenen Gemeinden zu lindern. Weitere News z.B. unter www.uol.com.br .

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