19. März 2010 – aufgeschmissen ohne Handynummer
Wer nach Burkina Faso einreisen möchte, sollte die Telefonnummer eines Bewohners dieses schönen Landes kennen, in 90% der Fälle eine Handynummer. Der Beamte an der Passkontrolle wird danach fragen. Visum? Grundbedingung. Aber wo erreichen wir Sie, nachdem Sie den Einreisestempel im Pass haben? „Etre joignable!“ erreichbar sein, heißt das Zauberwort. Es macht aus einem Menschen einen Bürger. Bald werden Wählerlisten so erstellt. Da braucht es kein Melderegister, das sowieso Schwierigkeiten hätte, die dritte Hütte links hinter dem Laden von Herrn Ouedraogo oder der Telefonzelle von Frau Diallo als Anhaltspunkt zu notieren. Ein Telefonbuch mit Namen und Nummern genügt. Und wenn sich Frau Diallo nicht meldet, dann weiß man wenigstens ungefähr, wo sie wohnt. Handys sind ja leicht zu orten. Meine Kollegin vor Ort war so nett, mir einen Tipp zu geben und mir ihre Telefonnummer mitzuteilen. Und ich war so nett, die Telefonnummern mit Bedürftigen Mitreisenden zu teilen. Also liebe Kollegin, wenn jemand anruft und nach Amadou, Aisha oder Martin fragt. Die sind schon wieder weg. Und nicht wahlberechtigt.
Meine Lieblingslektüre auf Reisen sind lokale Zeitungen. „Le Pays“, Ougadougou, titelt: „Der bittere Geschmack des Zuckers.“ In den letzen Wochen ist der Preis von einem Kilo Zucker von 500 CFA (0,77 €) auf 800 CFA (1,23 €) gestiegen. Das macht ihn fast unbezahlbar für die Mehrheit der Bevölkerung, die sowieso schon kein süßes Leben führt. Aber wenigstens die Mütter sollten ihren Kindern süßen Brei bereiten können, meint „Le Pays“. Dazu sollte Burkina mehr Zucker selber produzieren, schlägt der Autor vor. Der sei zwar auch nicht billig, aber wenigstens im Preis stabil. Auf Seite 31 wird vermeldet, dass der Präsident Deutschlands auf seinem Weg zur WM in Südafrika in Burkina Faso Station machen wird. Da wird er hoffentlich auch das Fußball-Internat besuchen, das ich gerade besuche. Mehr dazu morgen.

