Brasilien

No posts could be found that matched the specified criteria.

Nunca Mais Brasilientage 2014 – Weiterführende Links

Von , 17. Juli 2014 10:43

Hier finden Sie weiterführende Links zu Themen aus dem Printheft, sowie die portugiesische Übersetzung der Dokumentation

 

 Links:

 

Dokumentation auf Portugiesisch:

Documentação sobre as Jornadas Nunca Mais Realizadas no Brasil e na Alemanha do março a julho de 2014 – A documentação  será completada sucessivamente

 

 

 

Brasiliensolidarität – damals und heute

Von , 28. April 2014 16:26

Brasiliensolidarität – damals und heute

Zeitzeug*innen und Akteur*innen im Gespräch

von LUTZ TAUFER

Am 06. April trafen sich in der Werkstatt der Kulturen Menschen aus Deutschland und Brasilien, die sich vor Jahrzehnten in beiden Ländern gegen die Militärdiktatur engagiert hatten. Sie alle waren schon in die Jahre gekommen, teils gesundheitlich angeschlagen. Sie kannten sich aus der damaligen Zeit, teils persönlich, teils dem Namen nach, die Brasiliensolidarität in Deutschland war überschaubar, aber dafür umso wirksamer.  Jetzt begegneten sie sich wieder und berichteten unter der Moderation von Luiz Ramalho, einem der Initiatoren der Nunca Mais Brasilientage.

Weiter lesen 'Brasiliensolidarität – damals und heute'»

Favelados geben nicht so schnell auf

Von , 16. Juli 2013 10:53

von LUTZ TAUFER

In Brasilien gibt es seit 120 Jahren Favelas, allein in Rio gibt es 1.071. In diesen 120 Jahren haben die Favelados  Expertise und Kompetenz im Überlebenskampf in beeindruckender Dimension und Qualität angehäuft. Das offizielle Brasilien hat dafür keine Verwendung. In jeder Favela sind 15 oder 20% der Männer, manchmal sogar ein paar Frauen, Maurer und Elektriker, die sich alles selbst beigebracht haben.  Ein beruflicher Ergänzungskurs, etwa von SENAI, würde aus ihnen Fachkräfte machen, die  ohne Ende zu tun hätten und ein sattes Monatseinkommen erwirtschaften könnten. Im Großraum Rio de Janeiro fehlten zum Projektzeitpunkt 6.000 Maurer und Elektriker.

Was ist aus unserer Näherinnenkooperative geworden? Favelados geben nicht so schnell auf und sind ans improvisieren gewöhnt. Mit Vania, Vilma und Isamara, die ihren Lebensunterhalt mit facção, also dem Zusammennähen von Jeans-Teilen, verdienen, bauten wir eine Kooperative für Industrielles Nähen und Schneidern auf. Aus dem Projekthaushalt konnten wir  eine kleine Entschädigung für den Verdienstausfall der drei Frauen zahlen, allemal billiger als das teure SENAI-Programm. Die Kooperative hat sich auf die Produktion von Modeartikeln aus der Haut des Tilápia-Fisches spezialisiert. Durch die Abnahme der Tilápia-Häute konnte eine Fischerei-Kooperative ein Zusatzeinkommen erwirtschaften. Der Kurs von exzellenter Qualität sprach sich herum. Es kamen Frauen aus weit entfernten Vierteln, um am Kurs teilzunehmen. Wartelisten mussten angelegt werden. Seit ein paar Jahren verkaufen die Frauen ihre Produkte online und  auf informell organisierten Märkten.

In den brasilianischen Armutszonen hat sich längst eine vernetzte informelle Ökonomie entwickelt. Zwar findet man auf der Homepage des  brasilianischen Arbeitsministeriums  neben dem halbjährlich aktualisierten Register zu Sklavenarbeit  ein Sekretariat für Solidarökonomie,  in der Favela ist das aber noch kaum angekommen. Fast 50% der brasilianischen Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren arbeiten im informellen Bereich. In den deutschen Medien liest man: Vollbeschäftigung.

Arme dürfen hier nicht rein!

Von , 9. Juli 2013 14:47

von LUTZ TAUFER

São Gonçalo, die Stadt in der wir mit lokalen Gruppen arbeiteten, hat eine Million EinwohnerInnen. Sie ist das zweitgrößte Munizip im Bundesstaat Rio de Janeiro und vom Hauptstadtzentrum etwa eine Autostunde entfernt. Zwischen São Gonçalo  und Rio de Janeiro liegt Niterói, eine andere Stadt mit einem Drittel der Einwohnerzahl von São Gonçalo.  Im Ranking der  Lebensqualität der 5.565 brasilianischen Munizipien liegt Niterói auf Platz 7, São Gonçalo  auf Platz 1036. Wenn ich meiner Zahnärztin sagte: „Denise, ich arbeite in  São Gonçalo“, antwortete sie, „Ach ja, das ist doch dieser Vorort von Niterói“. Armut und Arme sind in Brasilien  ausgeschlossen, in der doppelten Bedeutung des Wortes. Ausgeschlossen aus dem Brasilien mit gesicherter, inzwischen aber mehr und mehr prekärer werdenden Existenz – und ausgeschlossen aus dem Blickfeld.

In São Gonçalo  gibt es   e i n e   öffentlichen Kindertagesstätte – für eine Million EinwohnerInnen.

Marina, die Leiterin eines mit unserer Unterstützung gebauten und betriebenen kommunitären Kindergartens, kommt zur Sitzung. „Gestern war ein Stadtverordneten-Kandidat da,  er will ins Stadtparlament“. Es ist Kommunalwahlkampf, die Fleischtöpfe der öffentlichen Haushalte locken. „Er will uns  6.000 Reais (€ 2.000) zahlen, wenn  er im Wahlkampf behaupten darf, dass unser Kindergarten von ihm gebaut und finanziert wird.“  Kommunalpolitik in Brasilien.

Jardim Bom Retiro ist eine große und extrem arme Favela. Unsere lokalen Partner wollen eine Näherinnenkooperative ins Leben rufen. Wir nehmen Kontakt auf mit SENAI, dem Nationalen Dienst für Industrielehren, die wichtigste und renommierteste Berufsbildungseinrichtung in Brasilien.  Zur Versammlung mit den etwa 25 armen Frauen, die alle schon zu Hause seit Jahren nähen und schneidern,  kommen zwei Herren. Mit Anzug und  Schlips wirkten sie etwas ungewohnt in dieser Umgebung.  Nach Erläuterung  eines anspruchsvolles Curriculum und eines nicht weniger anspruchsvollen Kostenplan verkünden sie die Teilnahmebedingung:  Mittelstufenabschluss.  Unter den 25.000 EinwohnerInnen von Jardim  Bom Retiro haben den vielleicht fünf oder sechs. Die Berufsausbildung von Armen ist bei SENAI nicht vorgesehen. Weltfriedensdienst und Campo haben in den letzten Jahren in der Region viele hunderte Arme nicht nur ausgebildet, sondern ihnen auch zu einer Arbeitsstelle verholfen. Die Mittel, die wir dazu aufgewandt haben, waren recht bescheiden.

Die Armen und der Aufstand der Mittelklasse

Von , 3. Juli 2013 12:52

Warum wir die Armen in den brasilianischen Favelas auch nach den Protesten nicht allein lassen dürfen.

von LUTZ TAUFER

Der Aufstand der Mittelklasse richtet sich gegen die alten korrupten Machteliten, von denen sie sich schon lange nicht mehr vertreten fühlen. Sie wollen aber nicht nur, dass anders regiert wird, sondern dass überhaupt regiert wird. Denn die neoliberale Privatisierung ist längst bei ihnen angekommen. Sie hat das früher gute öffentliche Schul- und Gesundheitssystem zerstört. Die  Politik hat zu vieles aus der Hand gegeben. Was bleibt, ist der immer teurer, immer unbezahlbarere  Plano de Saúde, die private Krankenversicherung, bei dem die Versicherten immer häufiger lebensnotwendige Behandlungsmassnahmen, trotz positiver Gutachten,  vor Gericht erstreiten müssen und die Schulgebühren und Ausbildungskosten für die Kinder immer unbezahlbarer werden. Nach Jahrzehnten der Neoliberalisierung findet sich große Teile der  brasilianischen Mittelklasse im Würgegriff der freien Marktwirtschaft. Bei den Armen ist die Lage schon immer anders gewesen. Sie leben nicht in dem Teil Brasiliens, in dem die Mittelklasse sich aufhält. Ihr Traum ist die Inklusion, ihre Furcht die Exklusion.  Und mit Politik oder Politikern haben sie schon gar nichts am Hut. Davon will ich berichten. Weiter lesen 'Die Armen und der Aufstand der Mittelklasse'»

Schüler-Vertretung sammelt fast drei ganze Lehrergehälter

Von , 14. Januar 2013 15:24

Glühweinverkauf bei den Weihnachtskonzerten bringen 400€.

von LARISSA LANGHEIM, Vertreterin des Gymnasiums Alfelds im Kreisschülerrat

Wie bereits im vergangenen Jahr fand bei den Weihnachtskonzerten des Gymnasiums Alfeld am 15. und 16. Dezember ein von Schülern organisierter Glühweinverkauf statt, welchen in diesem Jahr erstmalig die SchülerVertretung übernahm.

Als die Frage im Raum stand, wer organisiert und hilft, waren nahezu alle Mitglieder der SV mit vollem Elan bei der Sache. So ging die Organisation ungewöhnlich schnell. Die Frage über die Verwendung des Gewinns wurde ebenfalls schnell und einstimmig beschlossen: Der Erlös sollte an unsere Partnerschule in Recife (Ostküste von Brasilien) gehen. So fand man an beiden Tagen jeweils sechs Mitglieder der SV wieder, wie sie gut gelaunt bei Weihnachtsmusik Glühwein, Kakao und Kekse auf Spendenbasis verkauften. Am Ende dieser zwei Abende fanden sich in der Spendendose 400€ wieder, die an unsere Partnerschule überwiesen werden. Mit Hilfe dieses Geldes kann man fast drei Monatsgehälter einer Lehrkraft in Recife bezahlen. Die SV möchte sich dafür bei allen Spendern recht herzlich bedanken!

Panorama Theme by Themocracy