WFD schreibt an Kanzlerin Merkel
Das gewaltsame Vorgehen der israelischen Armee gegen die Teilnehmer und Organisatoren der gewaltfreien Freitagsdemonstrationen in Bil’in/Palästinensische Gebiete hatte im April 2009 einen Toten, zahlreiche Verletzte und seit Juni 2009 – während nächtlicher Razzien – 31 Festnahmen von Bewohnern von Bil’in zur Folge. Am 12. Dezember 2009 wurde der Vertreter des Bürgerkomitees, Abdallah Abu Ramah, bei einer nächtlichen Durchsuchung seines Hauses in Ramallah zum wiederholten Mal festgenommen. Der Verlauf der Grenzanlage im Bereich von Bil’in wurde in mehreren Entscheidungen des Obersten Gerichtshof Israels für unrechtmäßig erklärt, ohne dass dies bisher praktische Konsequenzen gehabt hätte.
Der Vorstand des WFD hat die Bundeskanzlerin in einem Brief gebeten, bei Ihren israelischen Gesprächspartnern darauf zu dringen, das willkürliche und gewaltsame Vorgehen der israelischen Armee in dem palästinensischen Dorf Bil’in einzustellen, festgenommene gewaltfreie palästinensische Demonstranten dieses Dorfes zu entlassen und die Entscheidung des Obersten Gerichtshof Israels zu respektieren, das die Enteignung von 60% des Landes von Bil’in für unrechtmäßig erklärte.
Frau Merkel habe in den letzten Monaten mehrfach betont, dass das Existenzrecht Israels zur deutschen Staatsräson gehöre und Deutschland gegenüber Israel eine besondere Verantwortung habe. Nach Auffassung des Vorstand des WFD müsse diese deutsche Solidarität und Verantwortung dem Staat Israel gegenüber glaubwürdig verbunden sein mit dem Eintreten für die Rechte der palästinensischen Bevölkerung in den von Israel besetzten Gebieten, wozu auch das Dorf Bil’in gehöre.
Hintergrund:
Seit 2005 organisiert das Bürgerkomitee von Bil’in jeden Freitag gewaltfreie Protestdemonstrationen gegen die israelische Grenzziehung auf ihrem Land und die damit verbundene Enteignung von ca. 60% der Gemarkung von Bil’in. Das Komitee wird dabei von zahlreichen israelischen und internationalen Friedensaktivisten unterstützt. Die Aktivitäten der israelischen Sicherheitskräfte in den letzten Monaten verfolgen nach Aussagen eines israelischen Militärvertreters das Ziel, diese Protestaktionen zu beenden. Es legt sich daher der Verdacht nahe, dass dies auch in der internationalen Aufmerksamkeit begründet ist, die die Proteste in Bil’in mittlerweile gefunden haben. Eine Liste der Ereignisse ist auf der Homepage des Bürgerkomitees von Bil’in zusammen gestellt (http://www.bilin-village.org/english/discover-bilin/).
Der WFD ist seit 1968 über eine von ihm initiierte Frauenkooperative mit dem Dorf Bil’in verbunden und verfolgt die Entwicklungen in Israel und Palästina seit nunmehr über 40 Jahren. Das Projekt des WFD in den besetzten palästinensischen Gebieten war in der Anfangszeit geplant als Einsatz eines deutschen Friedensdienstes auf palästinensischer Seite parallel zur Arbeit der Schwesterorganisation Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Israel. Dieser Ansatz, der die Interessen beider Völker in Israel/Palästina und den Anteil der deutschen Geschichte (Antisemitismus, Holocaust) an diesem Konflikt berücksichtigt, gehört nach wie vor zum Selbstverständnis des WFD. Darüber hinaus ist der WFD weltweit in Projekten (u.a. des Zivilen Friedensdienstes) engagiert, die einen gerechten Interessenausgleich und Versöhnung von Konfliktparteien zum Ziel haben. Diesen Zielen fühlt sich der WFD auch in Bezug auf den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis verpflichtet.
Rückfragen an:
Martin Zint, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Weltfriedensdienst e.V. 030 25399018, zint@wfd.de
In Bethlehem sind wir, um GTC persoenlich kennen zu lernen. Der Weltfriedensdienst will die Arbeit des
Weiter geht es nach Ramallah. Wir treffen Reema, Riham und Odeh von unserer Partnerorganisation Al-Mada. Zusammen bauen WFD und Al-Mada ein Musiktherapie-Zentrum auf. Tomeh ist Direktor, technischer Berater fuer die Musiktherapie, Komponist und Musiker. Er nimmt sich Zeit fuer das Interview, erklaert mir die technischen Aspekte des Programms und die Idee der Musiktherapie:
Zu Besuch beim Yes-Theatre, fuer uns ein neuer Partner und ein neues Projekt. Wir sehen eine beeindruckende Vorstellung. Etwa 200 Schuelerinnen ueberhaeufen das Ensemble hinterher mit Fragen und Vorschlaegen. Spaeter bei Tee und Zigaretten stelle ich eine einfache Frage: Warum macht Ihr Theater?
Ich glaube, dass wir als Kuenstler dazu beitragen koennen. Wir koennen etwas aendern und tun es bereits. Wir haben mittlerweile Tausende Leute, die uns kennen, zu den Vorstellungen kommen, die unsere Botschaft verstehen. Sie versuchen jetzt wie wir, die Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten…
Ich fahre allein nach Bethlehem. Nach dem ueblichen Smalltalk ueber die touristischen Attraktionen des Landes, die ich unbedingt noch sehen sollte, versucht der Taxifahrer vorsichtig mich fuer das Jerusalem der Checkpoints und illegalen Siedlungen zu sensibilisieren. Ich passiere den verwinkelten Uebergang ins palestinensische Bethlehem zu Fuss und laufe Richtung Zentrum. Hier treffe ich S., die eine Zusammenkunft mit Mahmoud Zwahre arrangiert hat. Mahmoud ist als Buergermeister der palestinensischen Siedlung al-Ma’sara ein viel beschaeftigter Mann. Seit drei Jahren organisieren er und seine Mitstreiter, darunter viele Israelis und sogenannte Internationals, Demonstrationen gegen die Mauer. Noch ist sie nur eine ueberwachte Zugangsstrasse zur langgestreckten und rapide wachsenden Siedlung Ephrat. Faktisch schneidet sie die Bewohner al-Ma’saras von ueber 70% ihres Landes ab.
Leidenschaftlich und voller Hoffnung spricht er von diesem Kampf David gegen Goliath. Er spricht vom Glauben an die Zukunft fuer die 52% der Palestinenser, die noch nicht einmal 18 sind. Er erzaehlt von Theatern, die sie ins Leben rufen, von Spielzeugbibliotheken fuer die kleinen Kinder, davon Baeume zu pflanzen, die die Israelis im Zuge des Siedlungs-und Mauerbaus zu Tausenden abgeholzt haben, er spricht von der internationalen Unterstuetzung, von der Berliner Mauer, die schliesslich auch gefallen sei, davon sich nicht unterkriegen zu lassen. Und immer wieder betont er das Prinzip der Gewaltfreiheit ihres Widerstandes.
S. fuehrt mich durch ein Fluechtlingslager. 12.000 Menschen leben hier auf einem Quadratkilomter. Kinder werfen mit Steinen nach uns. Sie hoeren auf als S. mit ihnen redet. Sie leben direkt im Schatten einer israelischen Garnision und der allgegenwaertigen Mauer. Dahinter liegt ein weites Gebiet mit kleinen Waeldchen, das vor dem Mauerbau als Erholungsgebiet und Spielwiese der Kinder diente. Nun ist es unerreichbar.
hige Landwirtschaft moeglich ist. Wir stossen zu einer Gruppe Touristen hinzu, die er herumfuehrt. Ich hoere und sehe mir Bekanntes und auch viel Neues. Die unbaendige Freude am Experimentieren, die einen bei seinen Ausfuehrungen immer wieder anspringt, laesst mein agarwissenschaftliches Herz schneller schlagen. Was fuer eine Vision, dieses ausgetrocknete Tal zum Leben zu erwecken.
